Sabine Marya: „Schreiben ist Lebensruf“ –eine kurze Vorstellung zur Person

 

Ich  wurde 1962 geboren und lebe mit meinen beiden Söhnen in Nordfriesland. Bereits in der Schulzeit begann ich mit dem Schreiben. Schon da galt für mich, was auch heute noch gilt: „Schreiben ist Lebensruf.“ Schreiben gehört für mich zum alltäglichen Leben, wie essen, trinken, schlafen, atmen, doch nur ein Teil von dem, was ich schreibe, ist schließlich für die Öffentlichkeit bestimmt.

Ebenso wichtig wie das Schreiben ist mir das Lesen von Büchern. Dabei hängt die Auswahl des aktuellen Buches immer von meiner Stimmung ab. Es gibt AutorInnen, die ich bewundere: Simone de Beauvoir, Sartre, Brecht, Goethe, Shakespeare, Doris Lessing,  Solschenizyn, Lem, Highsmith, Rendell, Tolkien. Und es gibt AutorInnen, deren Bücher ich liebe: V. Woolf, Rilke, Astrid Lindgren, Michael Ende, Wally Lamb, Juri Rytcheu, A.A. Milne, Noelle Chatelet, Maxi Wander, Mascha Kaléko. Und dann gibt es Tage, da lege ich mich einfach mit einem „netten“ Krimi in die Badewanne oder ins Bett...

 

1983 zog ich nach Föhr, und dieser Insel fühle ich mich noch heute sehr verbunden.

Nach dem Umzug nach Föhr begann ich mit Aquarell- und Seidenmalerei und Ausdrucksmalen, später auch mit Töpfern von Figuren.

1993 erschien mein erstes Buch „Wie ein Schrei in der Stille“ im Fischer Taschenbuch- Verlag, ein „emotional aufwühlender Roman um einen Jungen, der sich zunehmend in eine Psychose hineinsteigert und um seine verzweifelte Mutter, die nicht imstande ist, ihm zu helfen.“

Es folgte eine Zeit als freie Mitarbeiterin bei der Inselzeitung „Inselbote“ bis nach dem Umzug auf das Festland von Nordfriesland 1994.

1999 erschien das zweite Buch: „Schmetterlingsfrauen“ im Verlag Frauenoffensive“: „Das erste Selbsthilfebuch für Frauen mit multipler Persönlichkeit und gleichzeitig eine einzigartige Dokumentation der Lebenssituation dieser Frauen.“

Das dritte Buch „Wenn sich der Nebel lichtet“ erschien 2001 ebenfalls bei Frauenoffensive: „Frauen erleben und überleben Depression“.

Im März 2002 erschien ein Text im „Brückenschlag“, Paranus – Verlag zum Thema „Zeitdruck in der psychiatrischen Ambulanz“.

Im Sommer 2005 erschien neben der Teilnahme an verschiedenen Anthologien das Buch „Pflege hat viele Gesichter“, das erste kompakte Selbsthilfebuch für beruflich und privat Pflegende, (meine Antwort auf viele Jahre Tätigkeit in der beruflichen und privaten Pflege) und die nächste Veröffentlichung folgte bereits im Oktober: „Hand in Hand – ein Buch für Menschen, die multiple Frauen auf beruflicher oder privater Ebene begleiten“. Die Einnahmen dieses Buches gehen in einen Verein, der den Erhalt der Frauenberatungsstellen in Husum + Niebüll unterstützt. Es ist mir wichtig, dass diese Beratungsstelle erhalten bleibt.

2006 sind bereits erschienen: „Lebenslänglich! – Überlebende von Vergewaltigung schreien auf , Anthologie von Überlebenden und UnterstützerInnen“, hier war ich die Herausgeberin – und eine Erzählung: „Schmetterlingsflügel – eine Sterbebegleitung“.

April 2006 erscheint von mir und Didi Lindewald unser erstes Gemeinschaftsprojekt: „Das Regenbogenland- Buch – ein Kinderbuch für Innenkinder von Menschen mit multipler Persönlichkeit“. Als nächstes erschaffen  wir gemeinsam einen Lyrikband und ein Kinderbuch mit dem Thema „Du bist richtig!“: Das Zauberland- Buch.

In der letzten Korrektur  befindet sich zur Zeit eine Erzählung zum Thema „aktive Sterbehilfe“: „Der erste Flügelschlag – Abschied von einer Freundin“, für dieses Buch suche ich einen Verlag ohne Druckkostenzuschuss oder einen Sponsor.

 

So weit wie möglich engagiere ich mich gegen Missbrauch + gegen Gewalt gegen Kinder, und ich setze mich ein für die Ächtung von Gewalt. Missbrauch ist Seelenmord. Und niemand hat das Recht, die Hand gegen ein Kind zu erheben oder es zu demütigen oder zu verletzen.

 

* * *

Bisherige Veröffentlichungen auf einen Blick:

- „Wie ein Schrei in der Stille“ (Thriller, Fischer TB),

- „Schmetterlingsfrauen – ein Selbsthilfebuch für Frauen mit multipler Persönlichkeit“ (Frauenoffensive),

- „Wenn sich der Nebel lichtet – Frauen erleben und überwinden Depression“ (Frauenoffensive),

- „Pflege hat viele Gesichter – ein Selbsthilfebuch für privat und beruflich Pflegende“ (autorenverlag- artep),

- „Hand in Hand – Selbsthilfebuch für FreundInnen, PartnerInnen und BegleiterInnen von Frauen mit multipler Persönlichkeit“ (Autorenverlag Artep), die gesamten Einnahmen fließen in den Frauennotruf Husum/ Niebüll

- „Schmetterlingsflügel – eine Sterbebegleitung“, Erzählung und Texte zum Thema Trauer, ( Engelsdorfer – Verlag)

- „Lebenslänglich! – Überlebende von Vergewaltigung schreien auf“, Anthologie, Herausgeberin (autorenverlag artep), die gesamten Einnahmen fließen in das Bittere Tränen – Projekt

- „Tote schweigen“, Kriminalroman, (Lumenverlag)

- „Das Regenbogenland- Buch“, ein Kinderbuch für Innenkinder von Menschen mit multipler Persönlichkeit, gemeinsam mit Didi Lindewald (autorenverlag artep)

- „Rote Tränen“ - ein Heilungs - Buch für Menschen mit selbstverletzendem Verhalten, (Engelsdorfer Verlag)

- Veröffentlichungen in Anthologien & Zeitschriften

In Arbeit, gemeinsam mit Didi Lindewald: „Auf der Suche nach Weihnachten – ein kreativer Adventskalender für große & kleine Menschen, die sich auf Weihnachten einlassen wollen“

2006 erhielt Sabine Marya für ihr Engagement gegen sexuelle Gewalt und für ihre literarische Arbeit für Überlebende den 1. Lumen- Award.

* * *

Als die Wiege leer blieb

   

Mein Kind.

Ich habe Dich

Nie gesehen.

Ich habe Dich

Nie in meinen Armen gehalten.

 

Mein Kind.

Und doch habe ich Dich

Gespürt.

Und Dein Dasein

Hat uns zutiefst  berührt.

 

Keimling.

So haben wir Dich genannt

Und zwischen uns war ein zartes Band.

Wir haben uns gefreut. Über Dich.

Bis zu jenem Tag.

 

Es gab keinen Abschied.

Denn Du warst für sie -

Nichts.

Allein gelassen, danach.

Auf dem kalten Krankenhausflur.

 

Tränenlos kehrten wir zurück.

Mit leerem Bauch.

Trauer herunter geschluckt.

Tränen unterdrückt.

Verdrängt, dass es Dich gab.

 

So viele Jahre.

Erst heute

Weine ich um Dich

Die damals verbotenen Tränen.

Mein Kind.

(c) Sabine Marya

 

Nordfriesischer Herbst        

„Ich bin heute infektiös!“

Summe ich, wenn auch nicht g´rad´ melodiös.

Mit heißem Tee krieche ich zurück ins Bett,

Mach´ es mir da jetzt so richtig nett.

 

Während Stürme an den Fenstern rütteln

Und dabei auch gleich das letzte Laub abschütteln.

Nasses Grau durchzieht die Luft.

Und überall riecht es leicht nach Gruft.

 

Frau Brodersen von gegenüber

Holt im peitschenden Regen die Eier rüber.

Ein solches Wetter darf sie nicht erschüttern,

Denn die Hühner brauchen sie zum Füttern.

 

Mein Nachbar erspart sich heut´ die Hantel.

Eingehüllt im Regenmantel

Stapelt er das Feuerholz an den Wänden,

Und der Sturm zerrt dabei  an seinen Händen.

 

Und Elfriede vom Hof nebenan,

Der schon gestern der Regen in den Rücken rann,

Keucht und hustet vor sich hin,

Doch das Vieh, das muss nach drin´n.

 

Erleichtert lehne ich mich zurück in die Kissen

So eine kleine Poetin wird heute niemand vermissen.

Und so genieße ich es im Bett, ganz glamourös.

Denn ich bin heute infektiös.

(c) Sabine Marya

 

 

 

Ohne Abschied

Auf leisen Sohlen
Hat sich mein Herbst davon gestohlen.
An seiner Stelle hat sich - unbegrüßt -
Der Winter über das flache Land gelegt.

Ein kalter Wind aus Norden
Jagt schwarze Wolken durch die Nacht.
Fröstelnd sitze ich vor dem erkalteten Kamin.
Während Eis stumm rote Blätter überzieht.

(c) Sabine Marya

 

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