„Ich wurde 1975 in Vorpommern geboren. Seitdem hat es mich schon an mehrere Ufer gespült, vor einigen Jahren an das Elbufer von Niedersachsens ‚wildem Osten’.

Ich bin gelernte Reprotechnikerin und seit jeher passionierte Träumerin. So ergab sich früh schon das Schreiben ganz von selbst ... im Versuch, meine inneren Bilder in eine äußere Form zu bringen.

Ausgleich und Ergänzung dazu ist für mich das handfeste Leben auf dem Land – es geht doch nichts über Kranichgesang und Erde an den Händen.“

   

Eigene Website:  http://www.glasfedermaske.de.vu

 

ISBN 978-3-8334-6964-0

© 2007 für diese Druckausgabe bei Anneliese Wipperling
© 2007 für die Texte und Bilder bei den einzelnen Autoren/Künstlern
Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt
Illustrationen: Adriana Wipperling
Umschlaggestaltung: Gabriele Scharf
Layout: Anneliese Wipperling und Adriana Wipperling
Printed in Germany
Dieses Buch wurde im On-Demand-Verfahren hergestellt


* * *

Backcover

Seerosen blühen unterm Kopfsteinpflaster. Raumschiffe kriechen durch die Kanalisation. Schelmische Engel heben ihre Röcke zum Can Can. Infantile Götter naschen Eiszeiten am Stiel. Ein Mann befreit sich von seiner eigenen Haut. Liebhaber werden unter Blütenschnee begraben. Schmetterlinge fallen als rostige Schrauben vom Himmel ...

Mit Hingabe, Scharfsinn, Liebe, Humor und zuweilen auch Schwermut wandern die Autoren durch bizarre Traumwelten und die ungeschminkte Realität.


Kurzfassung

Vier Poeten wandern durch bizarre Träume und die ungeschminkte Realität: Seerosen blühen unterm Kopfsteinpflaster. Raumschiffe kriechen durch die Kanalisation. Engel lüften ihre Röcke beim Tanz. Jemand befreit sich von der eigenen Haut. Schmetterlinge fallen als rostige Schrauben vom Himmel ...


* * *

Ramona Scheerer

 

Rauschende Bäume

 

Ein blaues Haus

schwebt am Himmel entlang.

 

Ein rotes Pferd

springt übers Feld.

Gleichsam

springt ein Hase übern Zaun.

 

Die Welle rollt,

brandet auf,

bricht.

 

Das Herz der Liebe glänzt,

rot und silbrig,

der Hintergrund

schwarz und doch voller Licht.

 

Sekunden unserer Zeit verstreichen.

Langsam.

Schnell.

 

Die Feder,

leicht,

hauchdünn,

lautlos

schwebt sie der Erde entgegen.

Im Schein der Sonne

fang ich sie auf.

 (1992)

 *****  

 Ramona Scheerer

 

Schrei!

 

Die Liebe, über die Liebe ...

Schrei` über die Liebe!

Singe über die Liebe!

Weine über sie.

 

Über die Liebe ...

Über sie, nur sie ...

 

Über die Welt, über das Land ...

Über den Fluss ...

Über die weiten Steppen,

die Wälder.

 

Schrei`,

sei erlöst, sei frei,

weine, lass` deinen Tränen ungehindert Lauf!

 

Liebe hält nicht,

Liebe will nicht,

Liebe ist.

 

Verlass` das Leid, gehe heim.

Gehe heim in die Liebe.

 (2006)

 *****

   

Ramona Scheerer

 

Kalter Tag

 

Kalter Tag voller Steine,

die die Schmetterlinge verschlingen

und ihnen rote Farbe geben,

damit wir besser schlafen.

 

Blaue Tomaten zerplatzen,

und die Möwen begleiten

das Raumschiff,

das durch die Kanalisation

kriecht.

 

Das Land, wo Milch und

Honig fließen

mit unendlich vielen

Spiegeln an den Wänden.

 

Spiegel, die die Seele zeigen

voller Schreie und Tränen,

voller Blumen und Sonne.

 

Schönheit, die auf

Rühreiern beruht.

 

Schlanke, schmale Körper

ohne Gesichter, die sich

zu Klängen bewegen,

Klängen, die den Verstand

zerreißen.

 

Zerschnittene Gardinen

paaren sich mit

zerschnittener Bettwäsche,

 

und den Schnee

trampelt man fest,

damit niemand mehr

hindurchgelangt

ins Gelobte Land.

 (1993)