Es ist alles in dir...

   

Sag mir, was kannst du sehen

wenn deine Augen geschlossen sind

und nur ein leichter Wind

sein Licht, sein Grün mit dir teilt – kurz verweilt

Sag mir, was kannst du spüren

wenn deine Haut aufgeraut nach einem langen Tag

nach Wasser lechzt

und die winzigen, in sich geschlossenen Tropfen

sich darbieten dir zum Geschenk – eingedenk, dass nichts verloren ist

Sag mir, was kannst du hören

wenn deine Sinne sich der Stille verschreiben

und eine Empfindung Wort genug ist – vermisst wird kein Ton

Sag mir, was kannst du berühren

wenn deine Hände es nicht sind, die danach greifen

dein Herz, ein See aus Licht

und deine Seele ein Kameliengarten – ein Blühen und Vergehen

ein Wachsen und Bestehen

ein ewiges Sein...

(c) Ina May

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Himmelsgut  

 

Es regnet... die Tropfen – sind sie hohl, oder bis zum Rand angefüllt?

Auf der Haut zerplatzen sie, hinterlassen, was sie ausmacht.

Nass. Ein kleines bisschen davon.

Kinder starren zum Himmel hinauf, bergauf, den Kopf im Genick,

um zu sehen, woher sie kommen, und wie viele es sein werden.

Kühl trifft er auf, der winzige Klecks

wo immer man ihn lässt.

Ärger oder Behagen, alles ist drin, und keiner vermag es genauer zu sagen.

Ein Tropfen trägt sich leicht, er erreicht sein Ziel im Nu,

doch was, wenn es viele werden und immer mehr?

Was, wenn sie fallen und fallen und fallen?

Niemand kann sie aufhalten, niemand sie lenken.

Was sie dem Einen schenken, das nehmen sie dem Nächsten.

Und mit einem Mal, ganz plötzlich... ist alles vorbei.

War es genug? Wann wird es wieder geschehen?

Und wo werden wir gerade sein – beim nächsten Mal, beim nächsten Fall?

(c) Ina May

 

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Sein Kampf

 

Ein fetter Frosch im Tümpel,

und nichts so simpel wie es scheint.

Er strampelt wild im Kreis herum – sei´s drum,

denn er entkommt den Wellen nicht.

Zu viele Fliegen in zu vielen Kriegen,

gerne würde er jetzt an einem feinen Strande liegen,

doch das Wasser kann man nicht besiegen.

Sein lahmes Bein pocht ungemein,

es schmerzt schon seit dem letzten langen Kampf,

der Storch machte Schnapp, aber nicht Mampf

und musste schließlich Leine ziehen,

nach all den vergeblichen Mühen.

Langsam wird der Atem leiser

und die Beinchen immer greiser,

Schwäche stimmt den Dicken traurig,

sterben findet er so schaurig,

kann doch nichts dagegen tun,

möchte sich nur ein bisschen ausruhn´.

Der Frosch, schlaff hängt er irgendwann in dem Teiche,

ist nur mehr eine fette Leiche.

(c) Ina May

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Leben... wie?

 

 

Wo befindet sich der Mittelpunkt der Welt? –

Wer hat diesen üblen Film bestellt?

Meine Reise, sie begann... wie der Vorspann, der alles sagt und nichts verrät; an diesem Punkt ist es selten schon zu spät.

Aber was ist mit der Gewalt? – Und Halt! ...Müssen wir denn alles wissen?

Ängste sind vorhanden und doch gewanden wir sie stets chic,

um die ersten Wehen möglichst zu übersehen,

und wenn nicht das, dann – um sie wenigstens heil zu überstehen.

Weit von sich geschoben, sind die Dinge nur mehr Ameisen, und diese haben sich ohnehin noch nie erhoben.

Da steht man dann, im Sinn wie einst alles begann.

Helden werden wir wohl keine mehr,

und bemüht haben wir uns darum auch nicht sehr.

Der Epilog wird uns wahrscheinlich niederschmettern,

wird uns eines Tages kalt erwischen;

dann liegen wir auf blanken Brettern mit einem Kissen im Nacken

und gefalteten Händen – ach, wäre doch noch einmal Sommer,

warmer Sand an einem schönen Strand, Sehnsucht im Herzen und alle Zeit der Welt, um die eigenen Fehler auszumerzen.

(c) Ina May

 

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Des Herbstes Spuren  

 

Flüchtende Blätter, die sich neigen,

in einstudiert wirkendem Reigen;

satte, durchscheinende Wassertropfen,

von hängenden Ästen gerade noch getragen,

als wären sie allesamt maßlos überladen.

Bunt und doch manches Mal grau,

ist er, der von sich glaubt, er sei wandelbar wie der prächtigste Pfau.

Beraubt sind sie, die  edlen Herrscher der grünen Maßlosigkeit,

nehmen ihr Sein zurück, Stück für Stück.

Was bleibt ist die leere Hülle des blanken Lebens,

in der man derweil vergebens sucht nach einem Zeichen der Auferstehung.

Eine Wiederkehr jedoch ist nicht auszuschließen,

weil die Neugier auf etwas Neues

und doch alt bekanntes und lange entbehrtes,

sie endlich dazu treibt, erneut des Kaisers Kleider anzulegen-

und nichts ist pure Illusion.

(c) Ina May

 

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Die helle Leichtigkeit des Seins

   

Leben, um zu sterben;

jeden Tag, sich hervorgewagt, in durchscheinendem Gewand,

ihre Gestalt -  unbekannt.

Gebrochene Strahlen einer verblassenden Kraft,

rotgoldener Glanz,

vereinnahmt ganz den Horizont;

zum Untergang bestimmt,

sie ihrem Schicksal keinen Tag entrinnt.

In ihrer stummen Gegenwart,

sind alle Geräusche gedämpft und weich;

zart verschwommene Konturen,

reich verzierte Schattenbilder,

sind sie am Ausgang des Tages milder.

Unbewegliches Staunen, süße Wärme aus dem Nichts;

schwerelos und daunenleicht,

durchbricht ihr kopfloses Haupt die Gesetze der trägen Masse.

An keine Norm gebunden, die unstete Form. 

Beschwingt der rastlose Ball,

alles Leben durchdringt, haltlos in ihm versinkt.

Ihr Sinn und Zweck begleitet die Welt auf ihrem Gang durch die Zeit;

verweilt, wo es gerade beliebt.

Am Ende ihrer Runde angelangt,

allmählich verschwindend,

weicht sie dem kühlen Kameraden,

bleibt nur zu sagen, sie sind einander verbunden im Licht.

Zurück bleibt nur der Hauch eines Bildes,

eingebrannt in den Verstand;

jedoch an jedem neuen Morgen,

sich auflösend gleich  Spuren im Sand.

Die Lider geschlossen, gewacht, nicht geträumt;

die Nacht mit beiden Armen umfangen,

keine Sekunde des Tages versäumt.

(c) Ina May

 

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