Autoren-Feder-Verlag       ISBN: 3-981081-61-7        Preis 11,50 Euro

Leseprobe

PRIVATLESUNG

Ihr Bad ist sehr geräumig - hell, freundlich, sauber,
mit zwei Waschbecken, Wanne, Dusche, WC
und von unten bis an die Decke gefliest.
Ein riesiger Farn und viele Tillandsien machen das Ganze
so richtig wohnlich.

In 1.80 Meter Höhe, lockert eine vergoldete Zierleiste
die Wand auf, in der in unterschiedlichen Abständen
Fliesenkacheln mit Rosen platziert sind.
Ein schönes Bad. Ich wasche mir die Hände
und gehe nach unten.

Im geräumigen Wohnzimmer hocken auf einer braunen Eckcouch
die Gäste; einige stehen mitten im Raum und trinken Sekt.
Ich geselle mich dazu.

„Ach, der Herr Hocher ist ja auch wieder da. Sagen Sie doch mal bitte,
tragen sie in Ihren Texten nicht etwas zu dick auf? So viele Frauen?
Na, na, na..."

Dabei lächelt die Lady genauso dämlich,
wie die Ariel-Frau aus der Fernsehwerbung.

Irgendwer reicht mir ein Glas Wodka. Ich trinke Ex.
Was will die Alte jetzt von mir, denke ich.
Da habe ich die fast zwei Stunden mit meinen Texten gefüttert
und soll nun auch noch Rede und Antwort stehen?
Ich nehme mir die Flasche und kippe das Glas
noch einmal voll.

„Was heißt zu dick? Etwa 85 Prozent meiner Schreibe ist autobiographisch.
Bis jetzt muss ich noch nicht viel erfinden."

Um mich bildet sich nun ein kleiner Kreis.
Die meisten sind Frauen mit dicken Klunkern,
gepuderten Gesichtern und Silikonbrüsten.
Was erwarten die noch alles von mir?

Die Gastgeber gesellen sich dazu und die sind mit mir zufrieden!
Sie wollten, dass ich denen paar härtere Texte vortrage.
Er klopft mir anerkennend auf die Schulter.

„Nun lasst doch den Herrn Hocher erst mal in Ruhe was trinken.
Der hat schließlich lange genug gelesen und schiebt sicher
noch paar Texte nach."

Ich nicke ihm dankbar zu. Er ist der einzige in „Uniform",
also beschlipst.
Der Kreis löst sich allmählich wieder auf.

Ich betrachte die vielen Bilder an den Wänden, einige Plastiken und
studiere die Buchrücken. Auch von mir stehen sieben signierte Bücher im Regal.
Nach dem vierten Wodka muss ich schon wieder
auf die Toilette. Das Bier vorhin war mir zu kalt.
Ich gehe nach oben, kippe die Klobrille hoch
und ziehe langsam den Reißverschluss auf.
Von hinten greift mir jemand in die Weichteile.
Im Spiegel, seitlich links,
erkenne ich die Gastgeberin.
Sie sagt nichts, macht es einfach nur.
Ich lasse es mir gefallen. Es tut gut,
sehr gut sogar.
Sie wird immer schneller, dann spritzt der Saft
an die Fliesen.
Ich sehe hin und denke:
Eine Rose im Schnee.

Zu Hause schreibe ich das hier auf
und habe wieder nichts
erfinden müssen..