stundenglas und saxophon



mach ein gedicht für
einen männlichen sopran
und find ein lied für
einen frauenbariton

setz dich in einen
leckgeschlagnen kahn
schreib ein Konzert für
stundenglas und saxophon

so siehst du regentropfen
sich zu partituren reihen
und hörst den wind, wie
er nach diesen noten singt

sein lied lässt auch duette
sich am end entzweien
in lauten,klingen, als
wer mit dem tode ringt

schaff dir ein feuerwerk
das blitzt in allen sinnen
in allen farben solls an
tausend firmamenten stehn

wird hohe zeit, jetzt etwas
völlig andres zu beginnen
neues zu hören und zu fühlen
uns ganz neu zu sehn :

mach ein gedicht für
einen männlichen sopran
und find ein lied für
einen frauenbariton

setz dich in einen
leckgeschlagnen kahn
schreib ein Konzert für
stundenglas und saxophon


© Heino Suess



vom faul sein



ich geb´ das zu, bin gerne faul
lasse die seele baumeln
und andre ackern, wie ein gaul
bis dass sie nur noch taumeln

ich gebe mich der muße hin
da bin ich doch recht rege
denn wer im fleiß spürt lebenssinn
der steht sich selbst im wege

seh´ liebend gerne denen zu
die täglich arg sich schinden
wie sie sich ohne rast und ruh
durch grauen alltag winden

arbeit gibt es für mich allein
nur in meinen gedanken
da kann ich auch sehr fleißig sein
und kenn´ hier keine schranken

denn in der ruhe liegt die kraft
das will und muss ich glauben
weiß auch, dass es wohl niemand schafft,
dies beides mir zu rauben

ich bin oft faul, das ist wohl wahr
ich will das auch beschreiben
doch war es einfach wunderbar
schreibend zu übertreiben


© Heino Suess 01/07

 



unzerstörbar jung



so viele freundschaftsgesten
und alles das, was wir vor
zeiten miteinander hatten

es ist nur noch erinnerung
und all die lieder, die wir
miteinander sangen, sie

sind schon lang verklungen
weil mir so viele von den teuren
ja, den besten, verstorben und

in dieses jenseits eilten, aus
dem sie mir in träumen noch
erscheinen, in denen wir erzählen

lachen, weinen, sind uns so nah
so klar, so wach für alle zeiten
das, was wir spürten : unzerstörbar jung


© Heino Suess 01/07



Bescheidung, Beherrschung und Liebe
 
 
 Warum musst du dich selbst so beschweren
 Kannst dein Leben du leichter nicht nehmen
 Musst nur selbst dich und andere grämen
 Kannst vom Glücke dir selbst nichts bescheren


 Warum kannst du denn dich nicht bescheiden
 Hast vergessen, dich ernst zu beschränken
 Ohne Maß musst´ die Anderen kränken
 Kann dein wundes Herz Zwist nie vermeiden
 
 Oh, mög Bruder dein Herz rasch gesunden
 Kannst dein Leben doch nicht so verderben
 Nicht mehr viel ist bis jetzt dir geblieben :  

Warum schlägst du den Anderen Wunden
Warum willst du nicht selber erwerben
 Durch Beherrschung, dass Menschen dich lieben
 
 © Heino Suess 01/07

käfer und grille



es ist nun einmal so
dass leider
erfolg, so klein er sei
schafft neider

ein kleiner käfer auf
der alm
erklomm dort stolz den
höchsten halm

die grille nagte
diesen ab
der käfer fiel par
dautz herab

ist nun mal so
dass leider
kleinster erfolg
schafft neider


© Heino Suess 01/07

Die rote Woge



Oh, lass mich deiner Liebe Hände spüren
Dort, wo ich sie am liebsten spüren mag
Und du sollst meine Hände dort hin führen
Wo ich dich streicheln soll am sommerhellen Tag

Ich halte wonnig still und rück mich dir entgegen
Während du Pfade wandelst, die auch dir gefallen
Und dann beginnen wir uns beide zu bewegen
Zu süßer Melodie, der süßesten von allen

Wir spielen sacht auf unsern hoch gestimmten Saiten
Bis ein Vibrato wächst und uns durchbebt
Und uns im Innern weich sich Welten weiten
Dass eine flammend rote Woge uns erhebt

Auf deren Scheitel werden wir dann fortgetragen
Ich gebe dir, was du mir gibst, zurück
Und während Schauer uns im Kitzel Schmerz durchjagen
Führn unsre Hände, Küsse, Körper uns ins Glück



© Heino Suess 01/07

 

die sanduhr

   

warum verschwimmt nur wohl

der blick vor meinen augen

wenn manches mal

ich meine zeit betrachte

will diese zeit mir denn

so überhaupt nicht taugen

was ist der grund

dass ich sie wenig achte

 

was macht die tränen mir

durch die ich so bang blicke

die über mein gesicht

dann ohne zahl mir rinnen

waren so furchtbar denn

mein los meine geschicke

will mich auf nichts

was freudig war besinnen

 

ich hab von meiner zeit

bestimmt genug besessen

ich hatte viel von ihr

wenn ich es so bedenke

doch hab ich oft sie

recht zu nutzen mir vergessen

                                                                                                                                                                                           ging achtlos um mit   

diesem besten der geschenke

 

darum verschwimmt mir nun

der blick vor meinen augen

wenn manches mal

ich meine zeit betrachte

konnt diese zeit mir denn

so überhaupt nicht taugen

ich ganz alleine war's der

gar zu wenig aus ihr machte

   

© Heino Suess     02/07

 

Des Frühlings Farben

Wenn ich mir doch nur, ach, die Farb Palette
in welcher uns der Lenz so oft schon prahlte
da er in seinen bunten Spektren malte
bloß halben Weges zur Verfügung hätte

Das strahlend Helle dieses Himmels Blaue
ein feines Rot, wie sattes Gelb der Blüten
und ein smaragdnes Grün, sie wär´n zu hüten
für Zwecke, deren Wirkung ich vertaue

Denn damit möchte ich Gedichte schreiben
und auch die allerschönsten Bilder malen
hinein ins traurig trübe Alltagsleben :

Auf dass sie uns bald Schmerz und Gram vertreiben
vergessen lassen aller Winter Qualen
sind uns des Frühlings Farben all gegeben



© Heino Suess 03/07

 

 

der immer Schnellere


Amor und Hermes schlossen eine Wette
-olympisch übten sie in kleinen Kämpfen-
um damit ihren Übermut zu dämpfen
wer schnell´re Flügel wohl von beiden hätte

Amor wähnte beinah sich schon im Ziel
als Hermes ihn zu überholen drohte
mit Fersenflügeln naht´ der Götterbote
in seinen Mienen schon Triumphgefühl

der Engel, der sonst Liebesbotschaft brachte
den Kopf zum And´ren wandte und sprach kühl :
"ich weiss, dass ich von uns der Schnell´re bin!"

und während Hermes noch, schier siegend lachte
mir Eros reichte deine zarte Botschaft hin
worauf ein lang Gesicht dann unser Hermes machte

© Heino Suess 10/06 - 05/07

Kinder im Herbst

Sie  sind sehr klein und tragen allesamt rote  Kutten
die hängen zahllos an noch grünen Zweigen
sind uns befreundet: reifgeword´ne Hagebutten
mit glattem Glanz sie sich im Frühherbst zeigen

Die grünen Kapseln öffnen sich wie Stachel Lider
draus  blicken blitzeblanke braune Augen
das fällt aus einer hohen Krone prasselnd nieder:
Kastanien  wollen uns zum Sammeln und zum Basteln taugen

Der frühe Herbst hält auch die Kindheit uns bereit
Erinnerungen strömen süß durch Haupt und Glieder
an jene  bunte, wunderbare frühe Zeit
von der wir wissen: diese kehrt niemals mehr wieder!


© Heino Suess




Nachtohren


Weiß ich denn, ob es dir genau so geht,
denn nächtens werden meine
gar nicht so kleinen Ohren
um ein Beträchtliches noch größer, und
wenn Ohren dies vermögen, bohren
sie tief sich in das nächt`ge uferlose Schwarz.

Da röhrt ein Wind, obwohl
im Schornstein er in Wirklichkeit
nur eben leise säuselt,
es stöhnt und ächzt und knackt
der alte Schrank, dass sich die Haut
auf Stirn und Rücken dir ganz furchtsam kräuselt.

Durch`s  weite Nacht All zieht das
alte Frachtflugzeug, ganz ungeniert
- es geht auf vier -  entlang der
Schmerzgrenze verhallend seinen Turbo Schall,
so dass im Fensterglas man noch
ein klirrend leises Beben laut verspürt.

Und während du im hellen Wachschlaf
selbst es bist, der glaubt, dass er noch sinnt,
zieht sich die Zeit ganz sacht von dir zurück,
der von sich glaubt, dass er nur spinnt...
Die Ohren werden langsam kleiner dir zum Glück,
und säuselnd gleitest du in deine Träume brav.

© Heino Suess

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