Erinnerungen

 

Als Kind hatte ich einen Freund,

hab letzte Nacht von ihm geträumt.

 

Winzig klein ist er zu uns gekommen,

wir haben ihn liebend gern aufgenommen.

Ein Tigerkater herrlich anzusehn,

mit einem Fell einmalig schön.

Ein besonders schönes Exemplar,

er wurde, als er ausgewachsen war.

Einmalig im Leben war er für mich,

so groß und stattlich.

 

„Mozl“ hab ich ihn genannt,

den Namen hat er anerkannt.

Dieses Tier war wirklich eine Pracht

für eine Zeitung wurde ein Bild gemacht.

Wir beide waren darauf zu sehen,

ich war stolz, muss ich gestehen.

 

Gespielt hab ich mit Puppen und  -Wagen

Natürlich hab ich den „Mozl“ rumgetragen.

Puppenkleider zog ich ihm an,

legte in den Wagen ihn dann.

Lange gefiel ihm das Spiel,

bis es ihm wurde zuviel.

Dann ist er auf das Bett gesprungen,

hat meinen Kopf mit den Pfoten umschlungen.

„Mutti, der Mozl will mich fressen“, ich schrie,

Mutter sagte: „Merk Dir, ein Tier quäle nie!“

Gleich darauf ließ er mich fühlen,

„Ich bin wieder bereit zum Spielen!“

 

Bin ich später in die Schule gestartet,

hat er jedes Mal auf mich gewartet.

Mein Schulweg war sehr lang,

mit Mozl wurde es mir nie bang.

Er hat mich hin und zurück begleitet

und mir damit immer Freude bereitet.

Seine innere Uhr duldete ihn nicht mehr zu Haus,

er spürte instinktmäßig, jetzt ist die Schule aus.

 

Eine neue Wohnung haben wir bekommen,

natürlich haben wir ihn mitgenommen.

Nicht wohl gefühlt hat er sich dort,

an diesem neuen, fremden Ort.

An die Stadt hat er sich nicht gewöhnt,

hat sich aufs Land nach Freiheit gesehnt.

Wir brachten ihn dann zurück,

er war total beglückt.

Leute, die er von vorher gekannt,

hat er als „Familie“ dann anerkannt.

Traurig bin ich schon geworden,

als ob ein Freund gestorben.

Später im Leben durfte ich erkennen,

ich „musste“ ihm SEIN Leben gönnen.

(c) Heidi Gotti

Traurige Gedanken...

 

Die Sonne sprach zu Gott,

auf der Erde herrscht Not.

Die Liebe ist ausgestorben,

ich sehe nur noch ein Morden.

Wie kannst Du nur ruh’n,

Du solltest was dagegen tun!

 

Aber Gott gab schnell zur Antwort,

es gibt auch manchen friedlichen Ort.

Dorthin lenke ich meine Blicke,

denn wenn ich eine Sintflut schicke,

dann wird vernichtet alles auf Erden

und auch die Guten werden sterben.

 

Darauf sprach der Mond,

der nachts dort oben thront:

Selbst wenn es dunkel in der Nacht,

wird auf Erden, Krieg gemacht.

Viele Menschen können nicht schlafen,

bedroht ist ihr Leben durch schlimme Waffen.

Es müsste eine gerechte Strafe geben,

die erleichtern würde der Armen Leben. 

 

Und Gott der Herr sprach,

ich denke ja schon nach!

Ich selbst beginne zu vermissen

das menschliche Gewissen.

Wenn es mir gelingt, das zu erwecken,

wird der Mensch andere Werte entdecken.

Ein Mensch, dessen Gewissen nicht rein,

kann ja eigentlich nicht glücklich sein.

 

Die Sterne mischten sich nun ein:

Gewissen zu wecken wäre sicher fein.

Vielleicht herrschte dann Frieden,

die Menschen könnten wieder lieben,

könnten wieder tanzen und springen

und statt morden fröhlich singen!

 

Und so ziehen in weiter Ferne,

Sonne, Mond und Sterne

weiterhin unentwegt ihre Bahn

und sehen sich das Treiben der Menschen an.

Gott aber hofft auf der Menschen Gewissen

wird es aber weiterhin noch oft vermissen.

Wie lange wird er wohl noch zu seh’n,

war doch „seine“ Erde mal so schön!

(c) Heidi Gotti

Mein Baum

 

Ich liebe Dich,

jeden Tag erfreust Du mich.

 

Im Frühling mit dem ersten Grün,

bald schon seh ich Dich dann blühn.

Noch scheint durch Deine Zweige die Sonne,

dieser Genuss ist die reinste Wonne.

Zu Deiner Krone aufgeschaut,

wärmt die Sonne meine Haut.

 

Im Sommer sind Deine Blätter so dicht,

und ich spüre diese entsetzliche Hitze nicht.

Bis zum Boden neigst Du Dich,

als wolltest du beschützen mich.

Von Deinen  Zweigen werde ich umhüllt,

ich fühle mich von ihnen gekühlt.

Dein Stamm ist mächtig, ja  imposant,

zärtlich berühr ich die Rinde mit der Hand.

Es ist, als ob Du mit mir sprichst,

so schmiege ich an Dich mein Gesicht.

Ich spüre Deine Kraft und Ruh,

und mache meine  Augen zu.

 

Ist dann der Herbst ins Land gezogen,

sind Deine Zweige unter den Nüssen gebogen.

Die schenkst Du uns im Überfluss,

was für ein besonderer Genuss.

Blatt für Blatt,

fällt nun  langsam ab.

Der Sturmwind braust,

die letzten Blätter er zaust.

 

Bei Hagel und Sturm hast Du uns beschützt,

Dich wacker gehalten bei Donner und Blitz.

Gespenstisch, wie in einem bösen Traum,

erblick ich Dich nun, mein armer Baum.

Anklagend in Richtung Haus,

streckst Du die kahlen Äste aus.

 

Im Winter, fast über Nacht,

ist neues Leben Dir erwacht.

Auf Deinen Ästen überall,

tummeln sich in großer Zahl,

Spatzen, Finken und Meisen

und singen ihre Weisen.

Die Amseln emsig im Laub scharren

und die Eichelhäher schnarren.

Der Specht klopft die letzten Nüsse auf,

sie liegen noch auf dem Boden zuhauf.

Fällt dann der Schnee und deckt alles zu,

dann schläfst auch Du in himmlischer Ruh.

Hast auch, mein lieber Baum,

sicher einen schönen Traum.

Vielleicht von der Frühlingszeit,

sie ist ja nicht mehr allzu weit.

 

So träum und ruh in Frieden,

ich werd Dich immer lieben.

Dir gilt mein Dank,

ein Leben lang!

(c) Heidi Gotti

 

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