Heidi Gotti

 

ABENDROT – Gelebtes Leben im Schatten und Licht

 

MEINE WURZELN – MEIN LEBEN

 

Es war einmal ... vor einhunderteinundzwanzig Jahren. Am 9. Mai 18 84.

Ein Mädchen kommt zur Welt - meine Großmutter. Reich und wohlbehütet kämpft sie nach einem ungeplanten Ereignis ums Überleben und um ihre Kinder. Umzug nach Brünn - ein Ausweg?

Die Liebe meiner Eltern, überschattet vom unseligen Krieg.

Doch auch: Hurra, Ich bin da!!! Diese Freude währt nur kurze Zeit. Dann kam die Vertreibung aus dem Sudetenland.

Heimatlos. Ohne Freunde und Hab und Gut in Wien. Erneute Flucht, nach einem gefährlichen Vorkommnis.

Der nicht ganz einfache Neuanfang eines Flüchtlingskindes hier in Deutschland - oder doch lieber Kanada, Australien, USA?

 

ISBN 3-8334-3073-7 – 9,90 Euro

Mehr auf meiner HP: http://www.gottiswelt.de

Leseprobe:

Hurra - ich bin da!

Am 12. März 19 41 wurde ich dann geboren. Da alle jungen und jüngeren Ärzte an der Front waren, entband meine Mutti mit Hilfe eines schon ziemlich alten Professors.
Es war eine schwere Geburt und sie dauerte sehr lange. Mutti hat oft davon erzählt. Mit rabenschwarzen Haaren und ebensolchen Augen hielt man mich endlich in Händen.
Aber - Schreck - was war das??!!!
Auf meinem Kopf befand sich ein weißer Haarschopf.
Auf die entsetzte Frage erklärte der Professor, dass der Haarboden dort keine Farbe gehabt hätte.
Mit diesem hellen Schopf musste ich seither leben und lebe heute noch damit.
Nur ist er etwas ergraut im Laufe der Zeit. In sehr jungen Jahren wurde ich oft von den anderen Kindern gehänselt, später wurde es modern und ein Jeder färbte sich so ein Haarbüschel.
Vati war sehr stolz, damals befand er sich noch in Brünn auf dem Fliegerhorst und bekam Urlaub. Das Kinderkriegen belohnte der Führer.
Auch Großmutter war schon für jedes geborene Kind ausgezeichnet worden, ab einer bestimmten Anzahl gab es sogar einen Orden.
Alle Familienmitglieder waren glücklich über meine Geburt, war es doch in dieser düsteren Zeit ein positives Zeichen. Mutti wurde mit Geschenken überhäuft, damals gab es ja noch fast alles. Sie bekam auch das in der Heimat so übliche ‚Bettelarmband' geschenkt, mit diesen vielen wunderschönen Anhängern, über das ich noch in einem späteren Kapitel berichten werde.

Bombenalarm

Im Krieg geboren bekam ich anfangs von diesen schrecklichen Ereignissen nicht viel mit. Als ich aber laufen und sprechen konnte, prägten sich in meinem Unterbewusstsein einige schreckliche Vorkommnisse ein, die mich auch noch in älteren Jahren im Traum verfolgten.
In Brünn, der Hauptstadt von Mähren wohnten wir, und da die Großstädte besonders häufig und intensiv bombardiert wurden, hatten wir oft darunter zu leiden.
An eine Szene kann ich mich noch erinnern: Ich stehe, an meine Mutti geklammert inmitten eines Raumes. Es ist ein höllischer Krach um uns, Gegenstände splittern und fliegen.
Meine Mutter erklärte mir, als ich es später verstehen konnte, dass Fliegeralarm war.
Als die Sirenen zu heulen anfingen, brachte sie meinen Großvater, der schon ziemlich alt und gebrechlich war, in den Keller. Ich hatte durch die Ereignisse damals eine engere Bindung an meine Mutter, als es sonst üblich ist und ging mit.
Natürlich wollte ich auch wieder mit nach oben, als Mutti sagte, sie wolle in der Wohnung nur die Fenster öffnen, damit sie durch die Druckwellen nicht kaputt gehen könnten.
Oben angekommen, war es bereits zu spät. Die Fensterflügel standen weit offen, das Glas geborsten.
Mutti schaffte es bis in die Mitte des Zimmers, dort stand sie und ich an ihre Beine geklammert, mein Gesicht in ihren Schoß gedrückt. Ich schrie fürchterlich.
Es pfiff, es krachte. Durch die Bomben, die Detonationen und die dabei entstandenen Druckwellen flogen Teile an uns vorbei durchs Zimmer.
Großvater fragte hinterher, warum wir nicht in den Keller gekommen wären. Meine Mutter meinte nur, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte, sie sei wie gelähmt gewesen.
Wir hatten unwahrscheinliches Glück.

So war ich als Kind:
Ein sehr eigenwilliges und aufgewecktes Kind muss ich, laut Aussagen meiner Eltern, Großmütter und Tanten, gewesen sein.
Meine eigenen Zeilen:

Der Trotzkopf

Mein Inneres hat mich getrieben,
hab meine "Memoiren" aufgeschrieben.
Da steht über mich als Kind zu lesen,
dass ich sehr eigenwillig gewesen.
Getauft auf Adelheid-Marie,
gerufen hat man mich so nie.

Als Rufname wurde Heidi gewählt,
hat man mir dann später erzählt.
Einen anderen Namen hab ich mir ersonnen,
wo er her kam, hat man nie heraus bekommen.
War ja damals schon sehr aufgeweckt,
niemand wusste, wo ich ihn entdeckt.
Hab auch niemals erklärt,
von wem ich ihn gehört.

"Gotti" sollte man zu mir sagen
ohne weitere lästige Fragen.
Mutti rief: "Heidi", ich hab nicht reagiert,
hat sie sich auch noch so engagiert.
Als Dickkopf hat mich ihr Rufen nicht gestört,
ich habe ganz einfach nicht hingehört.
Kam dann ihr energisches "Muss",
hab ich aufgestampft mit dem Fuß.
"Gotti" heiß ich, hab ich gebrüllt,
nicht zu hören, war ich gewillt.
War nicht zu Zugeständnissen bereit,
das tut mir heute natürlich leid.

Meinen eigenen Kopf ich durchgesetzt hab,
oft denk ich dran, steh ich an Muttis Grab.
Trotzdem hatte ich auch gute Seiten
meiner Mutti Freude zu bereiten.
Wenn es darauf ankam, im Krieg,
hab ich gehört und war ganz lieb.
Wenn Gefahr war im Verzug,
ich auch den Namen "Heidi" ertrug.

Aber die Erinnerung ist geblieben,
deshalb hab ich sie aufgeschrieben.

Diesen Trotzkopf habe ich von meinem Vati geerbt, dem ich auch sonst sehr ähnlich sah.

Zu meiner Aufgewecktheit gibt es noch ein paar Sachen zu berichten: Einmal fuhr ich mit meiner Mutter in der Straßenbahn und bohrte eifrig mit dem Finger in der Nase.
Natürlich dachte meine Mutter, alle Leute würden es sehen und schämte sich.
Jetzt musste sie eingreifen:
"Heidi, man bohrt doch nicht mit dem Finger in der Nase. Wo hast du denn das gesehen?"
"Beim Vati!", kam meine prompte Antwort.
Alle anderen Passagiere schmunzelten natürlich.
Meine Mutter wurde feuerrot und schämte sich entsetzlich. Es war so schlimm für sie, dass sie an der nächsten Haltestelle fluchtartig die ‚Trambahn' verließ.
Von klein an, wurde ich erzogen, man steht frei, ohne sich an Türen oder Möbel anzulehnen. Mein Vater berichtete von einem netten Erlebnis, das ihm peinlich war. Er hatte Urlaub und badete mich.
Meine Tante Mitzi war zu Besuch und sah zu.
Natürlich konnte ich sie nicht aus den Augen lassen und registrierte jede ihrer Bewegungen. Sie ‚lümmelte' - lehnte - sich an den Wohnzimmerschrank.
Klar löste das bei mir gleich eine Reaktion aus:
"Bist du müde, Tante?!"
Die Tante wurde rot und ganz verlegen und mein Vater noch mehr.
Oft noch brachte ich meine Eltern in Verlegenheit und wurde auch mehrmals ermahnt.
Böse konnte man mir nie sein, waren doch die Menschen, die mich liebten, froh, dass es mich gab.

 

Der Inhalt des Buches ist kombiniert mit weiteren Gedichten, auch meines unglücklichen Onkels. Mit diesen Versen arbeitete er seine Erlebnisse auf, da er in der alten Heimat bleiben musste.

 

 

Heidi Gotti - ABENDROT – Gelebtes Leben im Schatten und Licht –

Im Fegefeuer des Lebens

 

Der Nachfolgeband zu ABENDROT – Gelebtes Leben im Schatten und Licht

Meine Wurzeln – Mein Leben

 

Klappentext:

Als Kind hatte ich Illusionen …

Träume, Wünsche - würden sie sich in meinem Leben erfüllen?

Die erste Liebe mit schlimmen Folgen.

Plötzlich gefangen – was nun?

Schöne Augenblicke und dann … der Gang durch die Hölle.

Kampf um eines meiner Kinder und Angst um mein Leben.

Tief und schwarz das Loch, würde ich es je verlassen?

Ungewöhnliche Suche nach einem neuen Glück.

Werde ich jemals bei meinen Illusionen ankommen dürfen?

 

In diesem Buch beginne ich zirka im Jahre 1953 und es endet in der Jetztzeit.

 

Der erste Band reicht bis 1884 zurück, der Geburt meiner Großmutter.

Was waren das für Zeiten, auch für meine Eltern und mich, im und nach

dem unseligen Krieg. Ungefähr im Jahr 1953 schließe ich diese Erzählung ab,

tiefe Gefühle und Erinnerungen, bei meinen Lesern weckend.

 

ISBN 978-3-86703-211-7 -  Engelsdorfer Verlag - € 12 –

 

Mehr auf meiner HP: http://www.gottiswelt.de

 

Mit diesem Buch möchte ich Menschen – die ebenfalls Schweres erlebten – Mut machen, dass man trotzdem letztendlich glücklich und zufrieden leben kann.

Schon alleine das darüber schreiben oder reden tut oft gut.

 

 

Leseprobe:

Vorwort

Im ersten Buch meiner Erinnerungen beginne ich mit meiner Großmutter, die achtzehnhundertvierundachtzig in Wien geboren wurde, als Kind eines vom Kaiser geadelten Fabrikbesitzers. Was musste sie alles erdulden und erleben!

Mit meinen Eltern fahre ich fort und all den Menschen, die ihnen lieb und wichtig waren.

Mitten im Krieg komme ich zur Welt. Schreckliche Erlebnisse belasten meine Kinderseele.

Unserer Vertreibung folgt die Einquartierung im Russischen Sektor in Wien und letztendlich hier in Deutschland in einer kleinen Gemeinde unser Neubeginn, der nicht einfach war.

Nach einer für mich wunderschönen Zeit, verbunden mit der Natur, folgt der Umzug in die nächste Kreisstadt. Aber auch dort sind Flüchtlinge nicht sehr willkommen.

Seite 95 des Buches:
Ein Neuanfang …
Unsere neuen Hausleute hatten uns von Anfang an unter ihre Fittiche genommen. Es waren liebe, schon etwas ältere Menschen, etwa wie unsere Eltern.
Oft saßen wir an den Wochenenden beisammen und ‚gaigelten’. Das war lustig, da in diesem Kartenspiel immer zwei Personen gegen die anderen beiden spielten. Es wurde viel gelacht und auch getrunken. Manchmal nahmen wir einen Wein mit, oder ein paar Flaschen Bier, das andere Mal wurden die Getränke von dem Ehepaar bereitgestellt. Auch kleine Imbisse boten wir gegenseitig an und es wurden herrliche Abende.
Nur dachte ich oft: ‚Wenn mein Mann nur nicht immer so viel trinken würde’.
Da er aber am nächsten Morgen aufstand und wenn er zur Arbeit musste, auch diese Pflicht erfüllte, kümmerte es mich nicht sehr.
Stutzig machten mich erst die Erzählungen seiner Kollegen. Der eine, der bei uns in der Nähe wohnte, lud uns auch öfters zu sich nach Hause ein und wir revanchierten uns dann. Manchmal berichtete er aus der Lehrzeit des Juniorchefs. Wie sie ihn zum Trinken ermuntert hätten, weil er sonst sehr gehemmt erschien.
Auch ich hatte das schon bemerkt, dass mein Mann nur dann ‚gut drauf’ war und reden, oder singen konnte, wenn er schon eine bestimmte Menge Alkohol konsumiert hatte. Natürlich griff er somit immer öfters zu dieser Droge, um mitsprechen zu können.
Eine Geschichte machte schmunzelnd die Runde im Betrieb.
Einmal als K. mit Fahrrad und Anhänger unterwegs war, passierte ein Missgeschick. Im Hänger waren Farbtöpfe, Pinsel, Tapeten und noch mehr Material. Nicht mehr weit war es bis zur Werkstatt, aber er hatte bereits zu viel getrunken und musste an der Kreuzung scharf nach links abbiegen, um in die Straße zu gelangen, in der sich dieses Gebäude befand. Er stürzte vom Rad und alles was er dabei hatte, verteilte sich über das gesamte Areal. Die Deckel der Farbtöpfe öffneten sich und die ganze Fahrbahn, einschließlich des angrenzenden Gehwegs, leuchtete in allen Farben. Zu Fuß torkelte K. nun zur Werkstatt und die Gesellen machten sich auf den Weg, um den Schaden zu begrenzen. Die große Putzerei begann, aber noch sehr lange zeugten die Spuren von diesem Ereignis.
Trotzdem machten sich die Arbeiter weiterhin den Spaß mit ihrem Junior, indem sie ihm das Bier zuschoben und sich dann amüsierten, wenn er nicht mehr fähig war, etwas zu tun.
Für mich waren diese Berichte nicht schön, es ärgerte mich sogar, dass man sie so freiweg erzählte, denn es war nicht der einzige Vorfall.
Aber hier bei den Hausleuten mussten wir nicht weit laufen, nur die Treppen hoch. Ich machte mir noch keine Gedanken darüber. Außerdem war ich verliebt und da verzeiht man vieles und doch trübte sich diese ‚rosarote’ Brille in meinem weiteren Leben immer mehr ein.

 

Seite 138 – nach schlimmen Vorkommnissen:
Es musste endlich etwas geschehen ...
Meine Eltern rieten mir nach diesem Vorkommnis zum Gang zu einem Anwalt, vielleicht würde K. aufwachen, wenn die Drohung im Raum stand, alles zu verlieren.
Schon oft hatte ich erklärt: Ich lasse mich scheiden, aber die nötige Konsequenz hatte gefehlt.
Vor dem Besuch beim Advokaten wagte ich noch einen letzten Vorschlag. Mein Mann solle doch zu seiner neuen Freundin ziehen, wir würden in Freundschaft und Achtung verkehren. Er solle für seine Kinder zahlen bis sie sich selbst versorgen könnten.
Aber damit stieß ich auf taube Ohren, mein Gatte fühlte sich gut versorgt. Ich erledigte alles, Schriftliches und auch Telefonisches – um was es sich auch immer handelte – die Wohnung war sauber, seine Wäsche in Ordnung, das Essen schmeckte ihm, warum also sollte er das aufgeben?
Aber ich konnte nicht mehr.
Nachts schlief ich kaum noch aus Angst und weinte oft stundenlang. Schrecklich sah ich aus und wog nur noch sechsunddreißig Kilo. War vorher schon immer sehr schlank gewesen, nun war ich dürr und hatte fast nichts mehr gegen zu setzen.
Ich schämte mich selbst schon für mein Aussehen. Trotzdem gelang es mir, immer für meine Kinder parat zu sein, um Schlimmes abzuwenden. Aber wie lange noch?

 

 

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