![]()
ABENDROT – Gelebtes Leben im Schatten und Licht
MEINE WURZELN – MEIN LEBEN
Es
war einmal ... vor
einhunderteinundzwanzig Jahren. Am
Ein Mädchen kommt zur Welt - meine Großmutter. Reich und wohlbehütet kämpft sie nach einem ungeplanten Ereignis ums Überleben und um ihre Kinder. Umzug nach Brünn - ein Ausweg?
Die Liebe meiner Eltern, überschattet vom unseligen Krieg.
Doch auch: Hurra, Ich bin da!!! Diese Freude währt nur kurze Zeit. Dann kam die Vertreibung aus dem Sudetenland.
Heimatlos. Ohne Freunde und Hab und Gut in Wien. Erneute Flucht, nach einem gefährlichen Vorkommnis.
Der nicht ganz einfache Neuanfang eines Flüchtlingskindes hier in Deutschland - oder doch lieber Kanada, Australien, USA?
ISBN 3-8334-3073-7 – 9,90 Euro
Mehr auf meiner HP: http://www.gottiswelt.de
Hurra - ich bin da!
Am
Es war eine schwere Geburt und sie dauerte sehr lange. Mutti hat oft davon erzählt.
Mit rabenschwarzen Haaren und ebensolchen Augen hielt man mich endlich in Händen.
Aber - Schreck - was war das??!!!
Auf meinem Kopf befand sich ein weißer Haarschopf.
Auf die entsetzte Frage erklärte der Professor, dass der Haarboden dort keine
Farbe gehabt hätte.
Mit diesem hellen Schopf musste ich seither leben und lebe heute noch damit.
Nur ist er etwas ergraut im Laufe der Zeit. In sehr jungen Jahren wurde ich oft
von den anderen Kindern gehänselt, später wurde es modern und ein Jeder färbte
sich so ein Haarbüschel.
Vati war sehr stolz, damals befand er sich noch in Brünn auf dem Fliegerhorst
und bekam Urlaub. Das Kinderkriegen belohnte der Führer.
Auch Großmutter war schon für jedes geborene Kind ausgezeichnet worden, ab
einer bestimmten Anzahl gab es sogar einen Orden.
Alle Familienmitglieder waren glücklich über meine Geburt, war es doch in
dieser düsteren Zeit ein positives Zeichen. Mutti wurde mit Geschenken überhäuft,
damals gab es ja noch fast alles. Sie bekam auch das in der Heimat so übliche
‚Bettelarmband' geschenkt, mit diesen vielen wunderschönen Anhängern, über
das ich noch in einem späteren Kapitel berichten werde.
Bombenalarm
Im Krieg geboren bekam ich
anfangs von diesen schrecklichen Ereignissen nicht viel mit. Als ich aber laufen
und sprechen konnte, prägten sich in meinem Unterbewusstsein einige
schreckliche Vorkommnisse ein, die mich auch noch in älteren Jahren im Traum
verfolgten.
In Brünn, der Hauptstadt von Mähren wohnten wir, und da die Großstädte
besonders häufig und intensiv bombardiert wurden, hatten wir oft darunter zu
leiden.
An eine Szene kann ich mich noch erinnern: Ich stehe, an meine Mutti geklammert
inmitten eines Raumes. Es ist ein höllischer Krach um uns, Gegenstände
splittern und fliegen.
Meine Mutter erklärte mir, als ich es später verstehen konnte, dass
Fliegeralarm war.
Als die Sirenen zu heulen anfingen, brachte sie meinen Großvater, der schon
ziemlich alt und gebrechlich war, in den Keller. Ich hatte durch die Ereignisse
damals eine engere Bindung an meine Mutter, als es sonst üblich ist und ging
mit.
Natürlich wollte ich auch wieder mit nach oben, als Mutti sagte, sie wolle in
der Wohnung nur die Fenster öffnen, damit sie durch die Druckwellen nicht
kaputt gehen könnten.
Oben angekommen, war es bereits zu spät. Die Fensterflügel standen weit offen,
das Glas geborsten.
Mutti schaffte es bis in die Mitte des Zimmers, dort stand sie und ich an ihre
Beine geklammert, mein Gesicht in ihren Schoß gedrückt. Ich schrie fürchterlich.
Es pfiff, es krachte. Durch die Bomben, die Detonationen und die dabei
entstandenen Druckwellen flogen Teile an uns vorbei durchs Zimmer.
Großvater fragte hinterher, warum wir nicht in den Keller gekommen wären.
Meine Mutter meinte nur, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte, sie sei wie
gelähmt gewesen.
Wir hatten unwahrscheinliches Glück.
So war ich als Kind:
Ein sehr eigenwilliges und aufgewecktes Kind muss ich, laut Aussagen meiner
Eltern, Großmütter und Tanten, gewesen sein.
Meine eigenen Zeilen:
Der Trotzkopf
Mein Inneres hat mich
getrieben,
hab meine "Memoiren" aufgeschrieben.
Da steht über mich als Kind zu lesen,
dass ich sehr eigenwillig gewesen.
Getauft auf Adelheid-Marie,
gerufen hat man mich so nie.
Als Rufname wurde Heidi gewählt,
hat man mir dann später erzählt.
Einen anderen Namen hab ich mir ersonnen,
wo er her kam, hat man nie heraus bekommen.
War ja damals schon sehr aufgeweckt,
niemand wusste, wo ich ihn entdeckt.
Hab auch niemals erklärt,
von wem ich ihn gehört.
"Gotti" sollte man
zu mir sagen
ohne weitere lästige Fragen.
Mutti rief: "Heidi", ich hab nicht reagiert,
hat sie sich auch noch so engagiert.
Als Dickkopf hat mich ihr Rufen nicht gestört,
ich habe ganz einfach nicht hingehört.
Kam dann ihr energisches "Muss",
hab ich aufgestampft mit dem Fuß.
"Gotti" heiß ich, hab ich gebrüllt,
nicht zu hören, war ich gewillt.
War nicht zu Zugeständnissen bereit,
das tut mir heute natürlich leid.
Meinen eigenen Kopf ich
durchgesetzt hab,
oft denk ich dran, steh ich an Muttis Grab.
Trotzdem hatte ich auch gute Seiten
meiner Mutti Freude zu bereiten.
Wenn es darauf ankam, im Krieg,
hab ich gehört und war ganz lieb.
Wenn Gefahr war im Verzug,
ich auch den Namen "Heidi" ertrug.
Aber die Erinnerung ist
geblieben,
deshalb hab ich sie aufgeschrieben.
Diesen Trotzkopf habe ich von meinem Vati geerbt, dem ich auch sonst sehr ähnlich sah.
Zu meiner Aufgewecktheit
gibt es noch ein paar Sachen zu berichten: Einmal fuhr ich mit meiner Mutter in
der Straßenbahn und bohrte eifrig mit dem Finger in der Nase.
Natürlich dachte meine Mutter, alle Leute würden es sehen und schämte sich.
Jetzt musste sie eingreifen:
"Heidi, man bohrt doch nicht mit dem Finger in der Nase. Wo hast du denn
das gesehen?"
"Beim Vati!", kam meine prompte Antwort.
Alle anderen Passagiere schmunzelten natürlich.
Meine Mutter wurde feuerrot und schämte sich entsetzlich. Es war so schlimm für
sie, dass sie an der nächsten Haltestelle fluchtartig die ‚Trambahn' verließ.
Von klein an, wurde ich erzogen, man steht frei, ohne sich an Türen oder Möbel
anzulehnen. Mein Vater berichtete von einem netten Erlebnis, das ihm peinlich
war. Er hatte Urlaub und badete mich.
Meine Tante Mitzi war zu Besuch und sah zu.
Natürlich konnte ich sie nicht aus den Augen lassen und registrierte jede ihrer
Bewegungen. Sie ‚lümmelte' - lehnte - sich an den Wohnzimmerschrank.
Klar löste das bei mir gleich eine Reaktion aus:
"Bist du müde, Tante?!"
Die Tante wurde rot und ganz verlegen und mein Vater noch mehr.
Oft noch brachte ich meine Eltern in Verlegenheit und wurde auch mehrmals
ermahnt.
Böse konnte man mir nie sein, waren doch die Menschen, die mich liebten, froh,
dass es mich gab.
Der Inhalt des Buches ist kombiniert mit
weiteren Gedichten, auch meines unglücklichen Onkels. Mit diesen Versen
arbeitete er seine Erlebnisse auf, da er in der alten Heimat bleiben musste.


Heidi Gotti - ABENDROT – Gelebtes Leben im Schatten und Licht –
Im
Fegefeuer des Lebens
Der
Nachfolgeband zu ABENDROT – Gelebtes Leben im Schatten und Licht
Meine
Wurzeln – Mein Leben
Klappentext:
Als Kind hatte ich Illusionen …
Träume, Wünsche - würden sie sich in meinem Leben erfüllen?
Die erste Liebe mit schlimmen Folgen.
Plötzlich gefangen – was nun?
Schöne Augenblicke und dann … der Gang durch die Hölle.
Kampf um eines meiner Kinder und Angst um mein Leben.
Tief und schwarz das Loch, würde ich es je verlassen?
Ungewöhnliche Suche nach einem neuen Glück.
Werde ich jemals bei meinen Illusionen ankommen dürfen?
In diesem Buch beginne ich zirka im Jahre 1953 und es endet in der Jetztzeit.
Der erste Band reicht bis 1884 zurück, der Geburt meiner Großmutter.
Was waren das für Zeiten, auch für meine Eltern und mich, im und nach
dem unseligen Krieg. Ungefähr im Jahr 1953 schließe ich diese Erzählung ab,
tiefe Gefühle und Erinnerungen, bei meinen Lesern weckend.
ISBN 978-3-86703-211-7 - Engelsdorfer Verlag - € 12 –
Mehr auf meiner HP: http://www.gottiswelt.de
Mit diesem Buch möchte ich Menschen – die ebenfalls Schweres erlebten – Mut machen, dass man trotzdem letztendlich glücklich und zufrieden leben kann.
Schon alleine das darüber schreiben oder reden tut oft gut.
Leseprobe:
Vorwort
Im ersten Buch meiner Erinnerungen beginne ich mit meiner Großmutter, die achtzehnhundertvierundachtzig in Wien geboren wurde, als Kind eines vom Kaiser geadelten Fabrikbesitzers. Was musste sie alles erdulden und erleben!
Mit meinen Eltern fahre ich fort und all den Menschen, die ihnen lieb und wichtig waren.
Mitten im Krieg komme ich zur Welt. Schreckliche Erlebnisse belasten meine Kinderseele.
Unserer Vertreibung folgt die Einquartierung im Russischen Sektor in Wien und letztendlich hier in Deutschland in einer kleinen Gemeinde unser Neubeginn, der nicht einfach war.
Nach einer für mich wunderschönen
Zeit, verbunden mit der Natur, folgt der Umzug in die nächste Kreisstadt. Aber
auch dort sind Flüchtlinge nicht sehr willkommen.
Seite 95 des Buches:
Ein Neuanfang …
Unsere neuen Hausleute hatten uns von Anfang an unter ihre Fittiche genommen. Es
waren liebe, schon etwas ältere Menschen, etwa wie unsere Eltern.
Oft saßen wir an den Wochenenden beisammen und ‚gaigelten’. Das war lustig,
da in diesem Kartenspiel immer zwei Personen gegen die anderen beiden spielten.
Es wurde viel gelacht und auch getrunken. Manchmal nahmen wir einen Wein mit,
oder ein paar Flaschen Bier, das andere Mal wurden die Getränke von dem Ehepaar
bereitgestellt. Auch kleine Imbisse boten wir gegenseitig an und es wurden
herrliche Abende.
Nur dachte ich oft: ‚Wenn mein Mann nur nicht immer so viel trinken würde’.
Da er aber am nächsten Morgen aufstand und wenn er zur Arbeit musste, auch
diese Pflicht erfüllte, kümmerte es mich nicht sehr.
Stutzig machten mich erst die Erzählungen seiner Kollegen. Der eine, der bei
uns in der Nähe wohnte, lud uns auch öfters zu sich nach Hause ein und wir
revanchierten uns dann. Manchmal berichtete er aus der Lehrzeit des Juniorchefs.
Wie sie ihn zum Trinken ermuntert hätten, weil er sonst sehr gehemmt erschien.
Auch ich hatte das schon bemerkt, dass mein Mann nur dann ‚gut drauf’ war
und reden, oder singen konnte, wenn er schon eine bestimmte Menge Alkohol
konsumiert hatte. Natürlich griff er somit immer öfters zu dieser Droge, um
mitsprechen zu können.
Eine Geschichte machte schmunzelnd die Runde im Betrieb.
Einmal als K. mit Fahrrad und Anhänger unterwegs war, passierte ein
Missgeschick. Im Hänger waren Farbtöpfe, Pinsel, Tapeten und noch mehr
Material. Nicht mehr weit war es bis zur Werkstatt, aber er hatte bereits zu
viel getrunken und musste an der Kreuzung scharf nach links abbiegen, um in die
Straße zu gelangen, in der sich dieses Gebäude befand. Er stürzte vom Rad und
alles was er dabei hatte, verteilte sich über das gesamte Areal. Die Deckel der
Farbtöpfe öffneten sich und die ganze Fahrbahn, einschließlich des
angrenzenden Gehwegs, leuchtete in allen Farben. Zu Fuß torkelte K. nun zur
Werkstatt und die Gesellen machten sich auf den Weg, um den Schaden zu
begrenzen. Die große Putzerei begann, aber noch sehr lange zeugten die Spuren
von diesem Ereignis.
Trotzdem machten sich die Arbeiter weiterhin den Spaß mit ihrem Junior, indem
sie ihm das Bier zuschoben und sich dann amüsierten, wenn er nicht mehr fähig
war, etwas zu tun.
Für mich waren diese Berichte nicht schön, es ärgerte mich sogar, dass man
sie so freiweg erzählte, denn es war nicht der einzige Vorfall.
Aber hier bei den Hausleuten mussten wir nicht weit laufen, nur die Treppen
hoch. Ich machte mir noch keine Gedanken darüber. Außerdem war ich verliebt
und da verzeiht man vieles und doch trübte sich diese ‚rosarote’ Brille in
meinem weiteren Leben immer mehr ein.
Seite 138 – nach
schlimmen Vorkommnissen:
Es musste endlich etwas geschehen ...
Meine Eltern rieten mir nach diesem Vorkommnis zum Gang zu einem Anwalt,
vielleicht würde K. aufwachen, wenn die Drohung im Raum stand, alles zu
verlieren.
Schon oft hatte ich erklärt: Ich lasse mich scheiden, aber die nötige
Konsequenz hatte gefehlt.
Vor dem Besuch beim Advokaten wagte ich noch einen letzten Vorschlag. Mein Mann
solle doch zu seiner neuen Freundin ziehen, wir würden in Freundschaft und
Achtung verkehren. Er solle für seine Kinder zahlen bis sie sich selbst
versorgen könnten.
Aber damit stieß ich auf taube Ohren, mein Gatte fühlte sich gut versorgt. Ich
erledigte alles, Schriftliches und auch Telefonisches – um was es sich auch
immer handelte – die Wohnung war sauber, seine Wäsche in Ordnung, das Essen
schmeckte ihm, warum also sollte er das aufgeben?
Aber ich konnte nicht mehr.
Nachts schlief ich kaum noch aus Angst und weinte oft stundenlang. Schrecklich
sah ich aus und wog nur noch sechsunddreißig Kilo. War vorher schon immer sehr
schlank gewesen, nun war ich dürr und hatte fast nichts mehr gegen zu setzen.
Ich schämte mich selbst schon für mein Aussehen. Trotzdem gelang es mir, immer
für meine Kinder parat zu sein, um Schlimmes abzuwenden. Aber wie lange noch?
