Friedeborg Jungermann







Im Theater sah ich eine schwarzgekleidete menschliche Marionette mit roter Perücke.
Das Gewand war lang und schwer.
In der Hand trug der Schauspieler eine kleine Marionette mit exakt genauem schwarzen
Gewand und einer roten Perücke.
Das war für mich ein Stichwort:
das kleine Ich und das große Ich, die Person mit der kleinen Kopie.
Das kleine Ich ist oft im Rückzug, die Gedanken sind klein und verzagt.
Das Köpfchen hängt oft am seidenen Faden.
Aber das große Ich trägt den Kopf hoch, das große Ich lächelt oft über das kleine Ich
und bevormundet es.
Wenn das kleine Ich aber an der Hand des großen Ichs geführt wird, so ist es
eine starke Symbiose.

Friedeborg Jungermann







Das Glück im Kopf. Nur da ist es zu finden.
In einem Gerwirr von Gehirnwindungen müssen
manchmal versprengte kleine Goldklümpchen-
oder Splitter wandern.
Sie schaffen das unbeschreibliche Glücksgefühl,
das so schwer zu fassen ist und eben unbeschreiblich ist.
Es ist schnell verflogen. Wohin?
Immer wieder neu herbeigesehnt und manchmal erreicht
und für Momente festgehalten.
Ein Frischedatum ist nicht dabei, wird einfach nicht
mitgeliefert und abgestempelt.
Aber wenn es da ist, gibt es immer wieder Versuche,
es festzuhalten, ehe es entschwindet.
Schnell wird es überlagert von Alltäglichem.
Aber: "Glück gehabt" oder "Ein Traum vom Glück".

Friedeborg Jungermann







An der Peripherie des Bewusstseins wohnt die Fantasie.
Seit dem frühen Morgen, wenn die Fantasiebilder der Träume
verwischen, erwacht das Bewusstsein für den Tag.
Neben all den Beobachtungen werten wir unausgesetzt
und die Fantasie umrankt das Gesehene und Erlebte.
So wird das alles ein Kessel Buntes, in dem wir froh
oder auch bedrückt umherrühren.
Die Fantasie ist wie ein Gaukler, der uns bemogelt,
beflügelt oder begeistert. Die Umarmung vom Bewusstsein
und der Fantasie ist ein Liebespaar mit allen Unwägbarkeiten,
Streitereien, Versöhnungen und Glücksmomenten.
Wie jedes Paar kann eines ohne das andere nicht sein.
Bleibt bitte zusammen!

Friedeborg Jungermann








Bitte eine Fahrkarte von der Einsamkeit zur Zweisamkeit und zurück.
Schon als Kinder wünschten wir uns Freunde, Eltern, Geschwister,
Großeltern, Tanten und Onkel, Klassenkameraden und nachbarn ließen
uns nicht allein, zumeist war man im Vertrauen geborgen.
Immer suchte man die Zweisamkeit- später die intensive Partnersuche
gegen das Alleinsein. Einsamkeit ist nur zu ertragen, wenn man sie für
sich wünscht als Ruhepause und Entspannung.
Also hin und zurück, siehe oben- beides ist erstrebenswert.
Die Fahrkarte dazu hat jeder. Man kann sie einlösen oder verfallen lassen.
Das hat jeder in seinem Wunschkästchen.


Friedeborg Jungermann






Ein Schatten legte sich auf den sonnenheißen Sandweg.
Die Buchen am Wiesenrand ließen ihre tiefhängenden Äste leise
im Wind über die langen Wiesengräser wehen.
Die Halme wiegten sich neigend vom lauen Wind in eine Richtung.
Als Untermalung tönten die Klänge von Beethovens "Pastorale"
gegen den schluckenden Wind und legten sich zärtlich
über all die Gräser und sich wiegenden Wiesenblumen.
Irgendwo ein Kinderlachen, irgendwo eine verirrte Fahradklingel.
Idylle? Ja und nochmals ja! Idyllen sind Inseln, auf die man
sich retten kann, ohne Verletzung und mit viel
buntem Gefühl.

Friedeborg Jungermann