
Kurzvita
Lebt in Springe/Deister. Erste Gedichte überraschend früh nach der Käseschmiere. Aufgewachsen auf einem niedersächsischen Bauernhof. Dann Umzug nach Hannover. Labortätigkeit. Hans-Dampf in allen Kurzformen der Schreibkunst. Zeichnet gelegentlich Cartoons und malt. Veröffentlichungen seit 2003 von KG, Gedichten und Haikus durch Teilnahme an Wettbewerben/Ausschreibungen in Verlagsanthologien und Zeitschriften.
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Als
der Verwaltungsangestellte Hermann Krawutke die LPG-Arbeiterin Editha Pilokat
ehelichte, war sie schon Ende Dreißig, eine „Übriggebliebene“, maskulin
gebaut, schwarzhaarig, mit deutlichem Bartflaum in einem rotwangigem,
fleischigem Gesicht. Der scheue Hermann hatte zwar von einer grazilen Schönheit
geträumt, aber er war bereits über vierzig, dürr, kleinwüchsig und krumm,
mit einer hässlichen Hakennase. Da konnte man keine Ansprüche erheben.
Er
hatte vergeblich versucht, Editha für das zu begeistern, wofür nun mal sein
Herz schlug, für die Poesie und die bildende Kunst. Er verzagte, denn diesen
Dingen gegenüber erwies sie sich als undurchdringliches Bollwerk, und so zog er
sich mehr und mehr von ihr in sich zurück, während sie enttäuscht ihren Tagträumen
von einem handfesten Kerl, den sie sich eigentlich gewünscht hatte, nachhing.
Dann
kam es zur überraschenden Grenzöffnung der DDR, dem Mauerfall. Am selben Abend
noch fuhren sie in ihrem Trabi nach Berlin. Hermann und Editha erreichten
problemlos das Westterritorium. Erst hier, im für sie exotischem
Leuchtreklame-Flair, verloren sie alle Zweifel. Ihr Volk war wirklich frei. Und
stürmisch fielen sie sich in die Arme. Eine viertel Stunde hielten sie sich
fest umschlungen. Es war Monate her, als sie sich zuletzt umarmt hatten, und
jetzt waren sie sich nahe wie nie zuvor.
Später
erinnerten sie sich häufig daran. Jedes Mal fielen sie dabei in ein ratloses
Schweigen, denn sie trauerten um dies sofort wieder abhanden gekommene Gefühl
ihrer damaligen Seelenverwandtschaft, um dies innige Miteinander-Einssein, um
diese kurzlebige Blitzliebe im Angesicht des Brandenburger Tores. Und sie
wussten, die Grenzöffnung wird sich nicht wiederholen. Aber vielleicht käme ja
ein Krieg . . .
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Ich
liebe die Herbstfee
ihr störrischer Blick
aus dem Gemälde
hinter die unpassierbare Krümmung
streicht die Geige mir
frühlingstrunken möcht’ ich sie
entblättern
meine geflutete Leidenschaft
zum Entlauben
bis das Retikulum verwelkt.
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Ein
Völlegefühl beschleicht mich;
bin
ich doch einst wie ein neuer Buntstift gewesen,
habe
freudig wilde Kreise und bunte Blumen in die Seele gemalt;
lange
schon ist die Spitze abgenutzt,
und
nichts spitzt mich an,
um
neue, fröhliche Kreise zu ziehen.
Wenn
die Sonne sich verpisst
streiche
ich um die Häuser,
in
betrügerische Weinhandlungen,
die
Etiketten der Flaschen preisen süße Verlockungen,
doch
ihr Inhalt schmeckt meist fad.
Tags
ist mir die Stadt zu aufgescheucht,
ein
Gänsestall,
in
den der Fuchs eindringt.
Das
fahle Licht der Laternen ist süchtig nach Dunkelheit.
In
überfüllten U-Bahnen
verharre
ich wie ein Insekt in der Winterstarre,
das
Leben hält den Atem an,
wie
im Wartezimmer beim Zahnarzt.
Man
wäre froh, wenn schon alles hinter einem läge.
Die
Ruhe aber in den nächtlichen Straßen
lässt
mein Blut in den Adern stocken.
Ich
schmiege mich an Prostituierte,
drücke
mich eng an ihre warme Haut,
Erinnerung
an Hausschlachterei,
an
eisgekühlte Schweinehälften.
Viele
Ratten sind unterwegs und Falter,
Nachtschattengewächse,
die
dürftige Blüten treiben,
im
Freudenhaus nur eine einzige Funktion –
Sex
gegen Geld.
Leere
Hülsen treiben aus meiner Seele,
recken
sich aus düsteren Katakomben,
wollen
erfüllt werden,
die
begrabenen Sehnsüchte,
die
kleinen, närrischen Begierden nach Glückseligkeit wie
winzige
Kobolde,
sie
wollen sich vergnügen, wollen umhertanzen.
Mit
einem Fingerhut voll Lebensfreude
könnt’
s mich ins Rampenlicht der Sonne drängen.
Aber
morgen geht’s noch nicht,
da
ist im Puff Whiskey-Time,
das Glas zu drei Euro fünfzig.
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Die Heilige Schrift ragte aus dem Bücherregal hervor.
Man gesellte eine Erotikausgabe dazu,
und
vor dieser hatte jemand einen abgewetzten Schuhanzieher abgelegt.
Das Moralwerk empörte sich über die Erotikedition:
„Es ist eine Schande, mit so einem Schmierenstück auf eine Ebene gestellt zu sein.
Verbannen sollte man dich! Durch mich aber“,
ereiferte die Bibel sich, „erlangen die Menschen ihr wahres Wohl.
Dazu
weise ich sie an, wie sie zu leben haben.“
„Ich
stimuliere die Leute und bringe ihnen Freuden“, triumphierte das Erotikbuch.
Der Schuhlöffel aber hielt sich heraus und brummelte nur gelassen:
„Was schert’ s einen wie mich.“ Schließlich wurde er von den Dreien am meisten gebraucht,
den Erotikband nahm man hin und wieder aus dem Bord - nur die Bibel rührte keiner an.
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Olaf erschien als letzter unserer
Clique, den Kopf eingezogen gegen den einsetzenden Regen. Mit grimmigen Augen
blickte er sich um, eine junge Frau hautnah an seinen Fersen, die smaragdgrünen
Augen in ihrem bleichen, hohlwangigen Vamp-Gesicht mit anklagendem Zorn, die
vollen, blaugefärbten Lippen hysterisch verkniffen. Über unserem Treffpunkt
zog eine düstere Gewitterfront auf, den warmen Sommerwind auffrischend. Nach
einem Monat der Abstinenz hatten wir uns wieder versammelt. Maik, Enzo und Kalli
tollten bereits johlend auf dem kurzgemähtem Rasen der Parkanlage herum. Dann
einträchtig, mit roten Miniröcken gekleidet, unsere drei Girls im
Gleichschritt herbei, mitten durch die kleine Stadt, gemeinsam die Arme
untergehakt.
Olaf strich sich mit einer fahrigen Handbewegung den feuchten, strubbeligen
Blondschopf zurecht, schmauchte hastig an seiner Zigarette. Seine
schlanke, entschlossene Verfolgerin im zerschlissenen Bluejeansanzug, diese
Steffi, war uns anderen unbekannt gewesen. „Bleib bei mir. Ich werde
mich ändern. Bestimmt!“ Sie umarmte ihn. Er schubste sie von sich, eilte mit
langen Schritten zu seinem VW-Bus, sie hetzte schluchzend hinterher, rutschte
aus, stürzte zu Boden, erwischte noch sein linkes Bein, heftete sich mit beiden
Armen daran, hartnäckig wie ein Tasmanischer Teufel. Nur mühsam konnte Olaf
sie abschütteln, schleifte sie ein Stück mit, bevor sie sich resignierend aus
der Anklammerung löste. Erschöpft glitt ihr Kopf in eine Wasserpfütze, ihre
seidigen, schwarzen Haare verwandelten sich in schmutzige Wollfäden.
Unsere Girls signalisierten entrüstet, dass ihnen diese Szene furchtbar
peinlich war und wendeten sich gleich ab. Maik meinte: „Man, ist die Tante ätzend.“
Enzo und Kalli spähten fragend zu Olaf hinüber, der inzwischen an sein Auto
gelehnt mit trotziger Miene dastand. Olaf winkte stumm und beschwichtigend ab.
Erste Blitze zuckten, der Regen nun in Schnüren. Wir liefen geschwind zu Olafs
Pkw, ohne Steffi noch eines Blickes zu würdigen. Hatte keiner ihre
Verzweiflung erkannt oder war sie nur hysterisch?
Tanja erwartete uns in ihrem Partykeller; beklemmendes Schweigen während der
Fahrt dorthin. Höflich lächelnd begrüßte sie uns. Dürr wie ein
Laufsteg-Modell war sie. Ihre blonde Kurzhaarfrisur ließ sie noch kesser und
intelligenter aussehen. Spaßeshalber hatte ich einmal ihren Stirn-Nasenrückenwinkel
und den Oberlippen-Nasenstegwinkel gemessen. Die Werte entsprachen genau dem
heutigen Schönheitsideal. Tanja kleidete sich elegant, war voller Erotik. Ihr
abgeklärter, scharfer Geist und ihre Distanziertheit schreckten aber viele Männer.
Tanja und ich fanden uns auf Anhieb sympathisch, und so ist es geblieben. Man
betrachtete uns als Paar. Wir hockten viel miteinander zusammen, betrieben
gemeinsam die Hobbymalerei und küssten uns, an besonders glücklichen Tagen.
Mit ihr hätte man ohne Schwierigkeiten eine Familie gründen können. Ihr
konnte man unbedingt vertrauen, sie hatte keine Launen, ihre Fröhlichkeit jeden
Morgen, wenn ich mit ihr aufwachen würde. Aber wie lange könnte ich so ein
Eheleben ertragen? Damals war ich neunzehn und hatte Bedenken, vor Langeweile zu
verstauben.
Im Partykeller erzählte Olaf uns dann endlich von seiner Verfolgerin im Park:
„Steffi heißt sie. Ich lernte sie im „Joy“ in Hannover vor einer Woche
kennen. Sie hatte gerade ihr Psychologiestudium geschmissen und war ganz schön
zugedröhnt gewesen. Ich ließ mich mit ihr ein. Kurz darauf merkte ich, dass
sie Heroin nahm und sich prostituierte. Da war natürlich Trennung
angesagt. Aber diese Klette will es nicht kapieren. Ich hätte ihr nicht von
unserem Treffen berichten dürfen. Sie hatte schon versteckt auf mich gelauert;
muss wohl hergetrampt sein.“
Und wieder ersteht vor mir das Bild dieser Steffi, trostlos ihr Gesichtsausdruck
beim Abschied im Park, wie eine öde Polarlandschaft, aus welcher der eisige
Wind jedes Leben vertrieben hatte. Ob sie noch in der Pfütze verharrte? Ich
musste immerzu an sie denken. Das Unfassbare ihres Wesens fassbar machen, das
war es an ihr, was reizte. An Tanja war alles glatt, im Voraus zu berechnen,
denn sie folgte stur den gesellschaftlichen Regeln, mit unerschütterlicher
Vernunft. Doch Steffi erschien wild, unbeherrscht und unberechenbar. Ich konnte
sie nicht mehr aus meinem Kopf verbannen, zu neugierig war ich, sie kennen zu
lernen, ihre Motive zur Sucht zum Beispiel, für mich Fremdland, und alles
andere an ihr stellte ich mir damals abenteuerlich, geheimnisvoll vor, wie das
Erforschen eines unbekannten Dschungels.
Ich sagte zu Tanja, ich hätte noch wichtige Arbeiten zu erledigen. Sie
reagierte konsterniert und gekränkt, hatte sie doch mit mir einen schönen
Abend erwartet. Sie hoffte immer noch, dass wir ein echtes Paar würden. Ich
beeilte mich auf meinem Fußweg zur Parkanlage. Steffi kauerte in sich
zusammengesunken auf einer Sitzbank, nahe der Pfütze. Ihr buntes, ausgefallenes
Hippie-outfit klebte von der Nässe eng an ihrer gebräunten Haut, so dass ihre
leichten weiblichen Rundungen unbeabsichtigt lockten. Die Haare schlingerten wie
Wasserpflanzen vor ihrem Gesicht. Endlich ließ der Regen etwas nach. Ich tippte
ihr auf die Schulter. Träge schaute sie auf. Ihre Augen starrten verstört an
mir vorbei; der Blick schien sich in einer Welt voller Entsetzen zu verlieren.
Ihr Schluchzen klang bitter, wie ein letztes Seufzen vorm Sterben, ein ohnmächtiges
Sich-Ausliefern in einen Psychotod, ein Eingefrorensein der Lebensfunktionen,
wie bei geschockten Kaninchen kurz vor dem vernichtenden Zugriff des Bussards.
Es war zwar ein lauer Sommerabend, aber ein bisschen Wind und die durchnässte
Kleidung, so was führt leicht zu einer Erkältung. Mit bebender Stimme sagte
sie mir, dass sie zehn Kilometer entfernt wohne, in Bargstedt. In dem Zustand hätte
sie sicherlich keiner mitgenommen, und Busse fuhren um diese Zeit an Wochenenden
hier nicht. So holte ich mein Auto von Zuhause, kramte eine Wolldecke daraus
hervor und legte sie ihr um, schob meinen Arm behutsam unter Steffis und zog
diesen feinen, störrischen Körper sanft zu meinem Wagen.
Stufe für Stufe schob ich sie die Treppe zu ihrer Dachgeschosswohnung hoch,
setzte sie dann in ihre Dusche. Wie ein braves Baby ließ sie sich von mir
waschen. Ich sah ihre Einstiche am Arm. Nachdem ich sie trocken gerubbelt hatte,
suchte ich ein paar Kleidungsstücke aus den Schränken zusammen, ein mühsames
Unterfangen, weil alles durcheinander lag; so lag ein Socken eines zusammengehörigen
Paares im Küchenschrank, während der andere sich im Nachttisch versteckt
hielt.
Steffi saß leblos auf der Kante ihres breiten, französischen Bettes. Plötzlich
riss sie ihren Slip herunter, warf die Beine auseinander und ließ ihren Oberkörper
schlapp ins Bett fallen. „Gib mir fünfzig Mark, und du kannst mit mir machen,
was du willst!“ Wie konnte sie sich nur derart entwürdigen. Pausenlos redete
ich auf sie ein, dass ich ihr einen Therapieplatz besorgen wollte und sonstige
Dinge, denn die Sucht war an allem Schuld. Es perlte sinnlos ab von ihr wie
Regenwasser an einer Böschung.
Sie flehte mich an, nur dieses einzige Mal Stoff für sie zu besorgen. Dann würde
sie Ruhe finden, und wir könnten ernsthaft über eine Therapie sprechen. Der
Schmerz in ihren traurigen Augen, das Zittern und Zucken ihres zerbrechlichen Körpers,
der Anblick grenzenlosen Leidens, erzwangen mein Mitleid. Sie litt an erbärmlichen
Schüttelfrost, doch es war schwül und draußen blühten die Linden. Ich sagte
schließlich, wir führen in die Stadt, und der willenlose Körper setzte sich
auf einmal energisch in Bewegung, galoppierte die Treppe hinunter zu meinem Pkw,
dass ich Mühe hatte, gleichauf zu folgen.
Die Lichter von Hannovers City rückten näher. Ich gab ihr 250 DM. In diesem
Augenblick erschien sie mir ruhig; hätte ich ihn doch einfangen, stoppen können,
die Buchenbäume hätten Äpfel getragen. Aber ich wartete im Auto, während sie
ihr Suchtbedürfnis mit Heroin befriedigte. Nach einer halben Stunde kam Steffi
wieder, eine beschwingte, junge adrette Frau, ohne Sorgen, hätte man meinen mögen.
Was war sie doch jetzt für ein süßes, agiles Geschöpf, sie wirkte nun
entspannt, ihre wunderschönen Augen sehr verträumt.
Ich war erstaunt, über was man sich alles mit ihr unterhalten konnte, vom
Zen-Buddhismus über dadaistische Malerei bis hin zum Humeschen
Induktionsproblem, und alles mit bereichernd verspielter Tiefe. Amüsant fand
ich auch ihren verrückten Versuch, mit Worten das Besondere des Lächelns der
Mona Lisa darzustellen. Und ich wusste, ich hatte eine Schwäche für solche
Frauen, denn irgendwo in meiner Seele ist ein verstecktes, sehr individuelles Kämmerlein
mit einem bestimmten Code, und so eben nicht für jeden zugänglich. Ich stellte
ihr einige Fragen, die mein eigenstes Verständnis dieser Welt gegenüber
betrafen, und ihre Antworten trafen mich unerwartet wie Blitze; sie hatte den
Code in mir geknackt.
Ein Gefühl stellte sich ein, dass ich mit ihr eins wäre, dass nur ein
Herzschlag in uns erklingt; ein Bedürfnis, sich ihr völlig auszuliefern, völlig
hinzugeben, jede Kluft des Anderssein, die uns einsam vor den Mitmenschen
einschließt, zu ihr aufzulösen. War es das, was man Verlieben nennt?
Am übernächsten Tag ging ihr wieder der Stoff aus, ohne dass wir über
Therapie geredet hätten. Es war so schön mit ihr, dass ich auch wohl unbewusst
dieses Thema mied. Sie wurde unausstehlich gereizt, schlug panisch auf mich ein,
um gleich darauf wie ein Kleinkind zu jammern, dann schmiss sie eine Tasse durch
den Raum. Ich konnte ihren stupiden, widerlichen Minotaurusblick nicht länger
ertragen und flüchtete ins Bad, ließ Wasser in die Wanne ein, um bei einem
entspannenden Bad über unsere weitere Zukunft nachzudenken.
Plötzlich stürmte sie das Badezimmer und überfiel mich in der Wanne, kratzte
meinen Rücken blutig. Ihre Augäpfel wirkten steif und auch die Körperhaltung
glich der einer Spastikerin, und abermals gebärdete sie sich wie eine Furie.
Endlich erwischte ich sie, packte in ihre weichen Haare und zog sie in die
Wanne, grub krampfhaft meine Fingernägel in ihren zarten Nacken und riss ihr
ruckartig das Fleisch auf. Blutschwaden von ihr und mir zogen in der Wanne
umher, ihr Blick war immer noch leer. Ihr Körper schien wie ein unbewohntes
Schneckenhaus, von ihr verlassen, wie der einer Mumie, und mir wurde plötzlich
beklemmend klar, wie einsam ich ohne sie sein würde. Ich ließ eiskaltes Wasser
über ihr Haupt laufen und schlug ihr mit der flachen Hand hart ins Gesicht, um
sie zurückzuholen.
Erstaunt gaffte sie mich an, wie jemand, der gerade aus einer Ohnmacht erwacht.
Sie schaute auf das in der Wanne treibende Blut. Ich merkte schmerzhaft, wie das
Schaumbad in meinen Wunden brannte. „Was hab` ich getan? Was hab’ ich nur
getan?“ stieß sie wimmernd heraus. Sie umarmte mich gierig. „Verzeih’
mir! Verzeih’ mir Liebling, bitte! Hilf mir! Ich brauche dich doch. Sei mir
nicht böse!“ Ich zog sie ungestüm an mich. Wir liebten uns rasch und mit
voller Leidenschaft.
Wieder und wieder kaufte ich ihr Stoff. Nie mehr wollte ich sie in diesem
Zustand sehen. So gingen einige Wochenenden mit ihr dahin. Dann hatte ich
ausnahmsweise früher Feierabend und hörte sie und eine Männerstimme in ihrem
Schlafzimmer stöhnen und schreien, wie aus sexueller Lust. Leise schlich ich
ins Wohnzimmer. Ein unbändiges Gefühl von Hass stieg bei jedem der lauten
Liebesgeräusche in mir auf. Wutentbrannt griff ich zu einem Küchenmesser, trat
mit einem gewaltigen Tritt die Schlafzimmertür ein, die mitten im Raum vor dem
verdorbenen Bett landete. Sie hatte es mit einem hässlichen, alten Herren
getrieben. Der Kerl sauste sofort zu dem Stuhl, auf den er sorgfältig seine
Sachen gelegt hatte, ergriff seine Schuhe und verschwand mit angsterfülltem
Blick im Treppenhaus.
Da stand ich nun vor ihrem Bett, drückte den Messergriff so fest, als wollte
ich Saft aus ihm herausquetschen. „Hast du es dir wenigstens gut bezahlen
lassen?“ „Ja“, heulte sie. „Ich wollte nicht nur dein Geld.“ „Und
deine Lustschreie, hat er dafür extra gezahlt?“ Sie glotzte mich verständnislos
an, ließ sich vor mir auf den Boden gleiten, umfasste meine Fersen und winselte
um Vergebung. Hätte sie doch gesagt, sie habe kein Empfinden bei dem anderen
gehabt, sie hätte etwa den Preis damit hochtreiben wollen. Ich schreckte vor
meinem sich steigernden Hass zurück und mir wurde klar, dass ich sie mehr
liebte, als ich mir eingestehen wollte und war unfähig, es einfach abzustellen.
Die Nacht verbrachte ich unruhig hin und herwälzend auf dem Sofa.
Köstlicher Kaffeeduft und ein zarter Kuss von Steffi weckten mich am nächsten
Morgen. Sonst hatte ich immer das Frühstück bereitet und Steffi nur mühsam
aus den Federn bewegen können. Und jetzt stand auf einmal das tollste Hippiemädchen
der Welt vor mir, mit Flower-Mini, schwarzen Netzstrümpfen, Margeriten im Haar
und einem faszinierenden Lächeln um ihren sinnlichen Mund. Wenn sie eine
Indianerin gewesen wäre, hätte man sie bestimmt die „Kleine Morgenfrische“
genannt. Meine Eifersuchts- und Ekelgefühle vom Vorabend waren abgeflaut. Ohne
Worte schlürften wir besinnlich unseren Kaffee aus. Danach überraschte sie
mich mit einem kleinen Geschenk, einer drolligen, pummeligen Stoffeule in der Größe
einer ausgewachsenen Ananasfrucht. Sie sagte: „Das von gestern tut mir leid.
Aber es gibt so einiges in mir, was ich selbst nicht verstehe. Die Eule soll dir
als Fetisch dienen, wie die Kugel einer Wahrsagerin, um dich zum konzentrierten
Nachdenken anzuregen. Und ich hoffe, du erkennst, warum ich nur mit dir
zusammenleben will und niemals etwa mit diesem Mann von gestern.“
Sie ging hinaus. Ich betrachtete eine Zeitlang das Kuscheltier. Ja, warum mochte
sie mich eigentlich? Es mochte meine Zärtlichkeit, mein Verständnis und die
unermüdliche Gemütswärme sein, die mich für sie attraktiv machte. Und ich
begriff plötzlich, wie Eifersucht all dieses verstümmeln würde. Es müsste
unerträglich für sie sein, wenn ich als Gehörnter auftreten, nörgelnd einen
Wall um sie mauern, nach Moral und Sitte schreien und mich in Selbstbeweihräucherung
und Selbstgefälligkeit ihr gegenüber brüsten würde. Vieles würde ich
verlieren, was sie an mir geliebt hatte. Ich hatte keine Berechtigung,
Rechenschaft von ihr zu verlangen für ihre Taten; und betrogene Männer, die
Gefängnisse um ihre Frauen errichten, werden zu deren meistverachteten Gefängniswärtern,
und alle Gefühle erlöschen.
Hatte mich die Kontemplation mit der Eule wirklich zu einer schlüssigen
Einsicht geführt, oder war es nur eine Art Schutzlösung, um die peinigende
Eifersucht in mir zu neutralisieren? Ich war mir sicher. Zweifelsfrei war ich
auf eine Lebensweisheit gestoßen, küsste die Plüscheule, atmete erleichtert
auf, rannte zu Steffi und nahm sie herzlich in die Arme. Was würde ich denn
tun, wenn sie mich nur noch passiv eifersüchtig bewachen, ihren Charme, ihre Fröhlichkeit,
ihre frivole Natürlichkeit, ja selbst ihren Wahn dagegen eintauschen würde?
Ich würde sie natürlich verlassen. So blieb mir nichts übrig, als diese
Eifersucht in mir zu besiegen, nur so hoffte ich, Steffi für ewig zu gewinnen,
und begriff, wie sehr ich sie liebte.
Hinausschreien wollte ich mein Glück. Alle sollten es wissen. Abends lud ich
sie in die hiesige Disco ein, betrachtete sie, wie sie sich am Spiegeltisch
zurecht machte. Hatte ich nicht ein Supermädchen, mit der ich jeden Tag genießen
sollte, an dem sie mich noch begehrte? Ich rauchte eine Pfeife voll „grass“
und konnte den Blick nicht von Steffi lassen. Wie sehr war ich ihr doch schon
verfallen?!
Etwas angetörnt stürmten wir die Diskothek. Tanja verließ entrüstet, mit vor
Zorn sprühenden Augen, die Räumlichkeiten, die anderen aus der Clique
ebenfalls. Olaf sagte mir, dass ich ihm Leid täte. Aber es werde der Tag
kommen, wo ich es einsehen würde. Doch ich konnte Steffi nicht mehr loslassen.
Und Tanja hätte den Schmutz einer Hure nicht ertragen können, der an mir
unwiderruflich wie eine Tätowierung eingeätzt war. Steffi und ich tanzten
ekstatisch bis zur Seligkeit. Völlig berauscht und erschöpft fielen wir gegen
Morgen in ihr Bett. Selten habe ich so gut geschlafen.
Die nächsten Wochenenden war sie erneut überflutet von reizbarer Unruhe und
Zerfahrenheit in ihren Gedanken. Diese Zustände häuften sich mehr und mehr.
Ihr Verhalten wurde unerträglich. Es umfasste ein Spektrum von einem störrischen,
trotzigen Kleinkind bis hin zu einer hektisch um sich schlagenden Bestie. Tassen
und Teller gingen abermals zu Bruch. Und die Liebe zu Steffi forderte aufs Neue
von mir Versuche, sie vom lebensbedrohlichen Heroin abzubringen. Die Folge
meiner Bedrängnisse war, dass sie sich gänzlich von mir abwendete, und einen
„Freund“ aus der Drogenszene kennen lernte. Ich erahnte ihren Untergang.
Dann begegnete ich ihm mit Superschlitten, typischer Zuhältertyp, groß,
schlank, harte Gesichtszüge, schwarze Lederklamotten. Zwei etwas kleinere
Herren in Maßanzügen begleiteten ihn, offenbar seine Gorillas.
Steffi wollte gerade zu ihnen in den Cadillac steigen, da ergriff ich sie am
Arm, hielt sie zurück und redete beschwichtigend auf sie ein. Ich spürte, wenn
sie mitführe, würde ich sie nicht wieder sehen, und sie würden nicht nur
ihren Körper vergiften, sondern auch ihre Seele weiter zerstören. Doch Steffi
riss sich von mir los, die drei stiegen aus, schimpften mich einen
Sozialprediger, der sich um seine Angelegenheiten kümmern solle. Krampfhaft
umklammerte ich Steffi und flehte sie an, zu bleiben. Nun ergriffen mich die
drei, zerrten und schleiften mich auf den breiten Grünstreifen am Straßenrand.
Ich spürte ihre harten Schuhabsätze in meinem Gesicht, wieder und wieder immer
härter werdend. Regungslos blieb ich auf dem Bauch liegen. Endlich ließen sie
von mir ab. Ich hörte wie sich ihre Schritte entfernten, dann das Schlagen der
Autotüren, hob vorsichtig meinen Kopf.
Warm rann mir das Blut aus einer Stirnwunde an der Nase vorbei, ich schmeckte es
auf meinem Mund, dann tropfte es zwischen meine gespreizten Finger. Ich empfand
keinerlei Schmerzen, registrierte das Geschehen kalt wie ein Roboter, blickte
zwischen ein paar längeren Grashalmen hindurch gegen die untergehende
Abendsonne auf die vier Meter vor mir entfernte Silhouette von Steffis Körper.
Breitbeinig fordernd stand sie da, beschimpfte mich: „Du denkst wohl, du bist
was besseres. Ich habe die Schnauze voll, nach deiner Pfeife zu tanzen. Geh`
doch zu deiner Tanja, du Mistkerl!“ Und in ihren Augen war für Sekunden
wieder jene traurige Verzweiflung, wie damals, als sie in der Pfütze zurückblieb,
nur jetzt lag ich da unten am Boden. Ihr Gesicht verzog sich kurz zu einer
Fratze, sie spuckte nach mir aus, dann hastete sie schluchzend weg, verschwand
im Inneren des Cadillacs, der darauf davonbrauste.
Der Blutstrom aus meiner Wunde floss schon sachter, war aber immer noch warm und
beruhigend. Steffis Spucke hatte sich nicht weit von mir an zwei schwächlichen
Grashalmen gehängt, die sich unter der Last durchbogen. Ich beobachtete
gebannt, wie die einzelnen Bläschen, schillernde Facetten, eine nach der
anderen zerplatzten. Das letzte, was mir von Steffi jetzt geblieben war - die
Spucke ihrer Verachtung. Nein, ich wusste, sie liebte mich. Die Spucke galt ihr
selbst.
Etwas Luftbewegung kam auf. Ein kleiner Teil der Spucke wurde hinweggerissen,
ein winziges Stück Gestalt gewordener Selbstverachtung, ertrinkend in einem
gigantischen Kosmos.
Steffi habe ich nicht wieder gesehen. Ich hörte bald, sie sei an einer Überdosis
Heroin auf einer schmutzigen, zugig-kalten Bahnhofstoilette elendig verreckt.
Und alle Geborgenheit, die ich ihr geben wollte, alles Liebe, was ich ihr hätte
noch sagen wollen, es bohrt unerfüllt, wühlt und gärt rastlos in meinen
Eingeweiden, solange ich lebe. Aber wenn mir jetzt mal eine Dame Verachtung
entgegenbringt, dann überwinde ich es mit Gelassenheit, weiß ich doch von der
Bedeutung der Spucke meines Mädchens, meines Hippiemädchens, der Einzigen, die
ich wirklich geliebt habe.
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Ein
modernes Weltbild
von Enno Ahrens
"Ob Gedanken Pickel haben können? Natürlich können sie das im
Prinzip." "Gedanken sind aber doch geistig und Pickel materiell."
"Dein ganzes Weltbild ist eben falsch, ja mittelalterlich." In Biancas
Stimme lag eine ungekannte Entschlossenheit. Ich bastelte stumm weiter an meinem
Flugzeugmodell. Bianca saß nicht weit von mir entfernt und las "Die
moderne Physik".
"Alle Dinge sind nur Quantenwolken im leeren Raum", beteuerte sie.
"Gedanken können nicht aus Quanten sein, Gedanken sind Geist", warf
ich ein. "So ein Quatsch, wohl noch nichts von biochemischen Prozessen gehört.
Geist, Materie, das sind doch archaische Begriffe, über die ein moderner
Physiker nur mitleidig lächelt. Gedanken sind Quantenwolken, basta, steht
hier." "Hast du das im Buch überhaupt richtig verstanden?"
"Verstanden? Verinnerlicht habe ich die moderne Physik!" "Wie
lange beschäftigst du dich damit schon?" "Drei Tage, aber es ist
unbedeutend; die Intensität und Aufnahmefähigkeit entscheiden."
Ich erhob mich aus meinem Sessel, beugte mich rechts neben Bianca, um an den
Kleber für mein Flugmodell zu gelangen, der auf dem Sideboard hinter ihr stand.
Und da stach sie mir förmlich ins Auge. Sie hatte sich in Biancas linke
Gesichtshälfte eingewurzelt. Vor sechs Jahren, als wir geheiratet hatten, waren
es etliche spätpubertäre Aknepickel, später nur noch vereinzelte. Doch jetzt
ragte eine fette Vulgärwarze aus ihrer Wange hervor. Die musste sich als Pickel
getarnt entwickelt haben. "Sie befindet sich an genau derselben Stelle wie
bei ihrer Mutter", dachte ich, "nur dass die noch drei am Kinn hat;
wird bei Bianca auch noch kommen."
Ich schaute schnell zum Kleber, um Bianca nicht zu kränken, ließ mich wieder
in meinen Sessel sinken, strich den Leim auf den Flugzeugflügel und drückte
ihn nach einer gewissen Antrockenphase fest. Plötzlich durchbrach Bianca das
Schweigen mit spitzer Stimme: "Hast du sie also gesehen!?" "Was
soll ich gesehen haben?" "Na, die Warze." "Och, die kleine
Warze. Na ja." "Nun tu doch nicht so gleichgültig. Und ich weiß
genau, was du denkst: Jetzt hat sie auch so eine widerliche Warze wie ihre
Mutter und bald drei am Kinn dazu." "Nein, na ja, nun", stammelte
ich. "Dass dich die Warze stört, ist ein klarer Beweis deines überholten
Weltbildes." Ihre Stimme wurde wieder beängstigend energisch.
"Was soll das heißen?", entgegnete ich. "Nun, die moderne Physik
kennt keine Warzen. Sie löst alles in Formeln mit Ordnungszahlen und
mathematischen Zeichen auf. Nehmen wir mal dein graues Haar, das ich vor einigen
Tagen bei dir entdeckt habe. "Ich hab kein graues Haar." Du brauchst
nicht beleidigt zu sein; nach der neuen Betrachtungsweise ist das kein graues
Haar - welch blöde und provozierende Formulierung auch; nein, dieses graue Haar
hat nur ne andere Ordnungszahl als die übrigen. Schönheitswerte haben jetzt
ausgedient, sie entstammten den irrenden Sinnen, sind Luftspiegelungen an der
Nahtstelle "geistiger" Quarks, wie alle unsere Wahrnehmungen, haben
die Menschen lange genug zu unsinnigen Eitelkeiten bewogen, eines der größten
Übel unserer Zivilisation."
"Ja, aber so einfach wird die Menschheit die moderne Physik nicht
aufnehmen." "Ja, weil die Forscher es nicht forcieren, es dem
Gegenwartsmenschen nicht zutrauen. Es scheint, man hofft auf die Evolution. Ein
Zukunftsmensch mit hochgewölbtem Schädel, mit dicht gepackter Hirnmasse und
spitzem Kinn, sollte entstehen."
"Bianca, sei doch ehrlich, du flüchtest doch nur vor deiner Warze in diese
Theorien." "Das ist typisch, so ein Primitivling, du verstehst nichts.
Schau dir die Sonne an, eben noch stand sie dort am Himmel, jetzt dort. Genau so
haben die Menschen sie im Mittelalter gesehen, nur mit dem entscheidenden
Unterschied, sie hatten eine gegensätzliche Vorstellung als wir mit unserem
kopernikanischen Planetenmodell." "Irgendwie einleuchtend, und da könnten
wir genauso gut eine innere Evolution betreiben, unsere gesamte Welt in
Quantenwolken und mathematische Begriffe verwandeln." "Genau, und da
der Quantenschaum alle Zellen der Menschen miteinander verbindet, also die von
einem Schwarzen aus dem Kongo genauso wie die von einem Eskimo aus Alaska, könnte
die Welt endlich als Einheit begriffen werden, als ein Körper. Man würde
diesen Verbund infolgedessen rationell versorgen, das bisherige Wertedenken
verwerfen, auf Kriege verzichten, auch auf Ehekriege."
Ich blickte sie sanft an: "Und wenn ich dir sagte, dass ich dich liebe, es
hätte keinen Wert." "Erst mal hast du mir nie gesagt, dass du mich
liebst. Dies hab ich gesagt, und du hast anstandshalber ‚ja, ich dich auch'
geantwortet. Deshalb ist es unwichtig. Wichtig ist, dass wir uns in Zukunft
nicht hassen werden."
Ich ging an diesem Abend früh schlafen; sein Gehirn komplett zu renovieren ist
anstrengend. Sanft schlummerte ich ein und in meinen Träumen zogen lauter Schäfchen
an mir vorbei wie Quantenwölkchen aus einem leeren Raum.
Am nächsten Morgen, einem Sonntag, frühstückten wir auf der Terrasse. Bianca
hatte jede Menge Bücher mit Formeln um ihr Tischset geschichtet, stocherte mit
nachdenklicher Miene in dem Marmeladenaufstrich auf ihrem Brötchen herum und
murmelte: "Die Ingredienzien haben die Formeln..., Zucker, welch blödes
Wort, hat..."
Biancas Kopf verdeckte die aufgehende Sonne. Ganz deutlich zeichnete die Warze
sich ab. Jetzt sah ich auch das Härchen daran. Blitzschnell blickte ich auf
mein Frühstücksei und aß genüsslich mein Brötchen weiter, als Bianca plötzlich
erneut mahnend zischte: "Du hast sie wieder gemustert."
"Nein." "Gib es ruhig zu." "War nur ein kleiner Rückfall,
soll nicht mehr vorkommen." Ich holte uns eine Flasche Eierlikör, um auf
eine erfolgreiche Manifestation eines modernen Weltbildes in unseren Köpfen
anzustoßen. Meine Begeisterung dafür wuchs von Schluck zu Schluck; ich holte
noch drei Flaschen vom Kiosk.
Irgendwann tanzten Bianca und ich; die Warze an ihrer Wange wurde immer
verschwommener, ja schien sich schließlich zu verlieren in einer Quantenwolke,
rosafarben, mit diffuser Herzform.
*
Enno Ahrens, Kronsbrinkweg 5, D-31832 Springe, E-Mail: Amenbi12@aol.com
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