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Vita

Carsten Steenbergen wurde 1973 in Düsseldorf geboren und arbeitet in einem öffentlichen Rechenzentrum als Softwareadministrator und –entwickler. Er verfasst Kurzgeschichten und Romane über die gesamte Bandbreite des Phantastischen, von Märchen bis Horror, zuweilen auch skurril, ist alles vertreten. Nach ersten schriftstellerischen Gehversuchen in 2001, beteiligte er sich im Jahre 2004 erstmals an einem Schreibwettbewerb. Seitdem sind bereits diverse Kurzgeschichten bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht worden. Mit Sommer letzten Jahres ist dann auch endlich der Startschuss für den eigenen Debütroman (Mystery-Thriller „Die Tochter des Nagaraja“) gefallen. Daneben arbeitet er zusammen mit der Autorengruppe „Die Drachenkinder“ an einem gemeinsamen Roman und an weiteren Schreibprojekten. Dazu sind die Drachenkinder als Herausgeber für eine eigene Fantasy-Anthologie tätig. Wer mehr über den Autor Carsten Steenbergen erfahren möchte, kann dies unter
www.carsten-steenbergen.de oder www.carsten-steenbergen.blog.de tun.


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Leseproben

Der Tag der Grauen (Horror, veröffentlicht im Kurzgeschichten-Magazin, Ausgabe 05/07)

Erschreckt fuhr Judith aus dem Schlaf hoch. Etwas hatte sie geweckt. Ein Geräusch.
Sie lauschte in die Stille hinein, doch es war nichts zu hören. Ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken. Jemand war hier. Sie konnte es ganz deutlich spüren.
"Judith?"
Beim Klang der Stimme fuhr sie herum und starrte in Richtung Tür. Im Dämmerlicht, nur wenige Schritte vom Eingang ihres Schlafzimmers entfernt, stand ein Mann. Trotz der schlechten Sicht erkannte sie ihn sofort. Es war Roland.
"Was machst du hier?", entfuhr es ihr. Zunächst antwortete er nicht, doch dann hörte sie ihn leise flüstern.
„Sie kommen.“
Die beiden Worte hallten einen Moment dröhnend in ihrem Kopf nach und lähmten jeden weiteren Gedanken. Dann raste ein eisiger Schauer durch ihr Gehirn und fraß sich in ekelerregender Geschwindigkeit über ihren Rücken hinab. Hastig rannte Judith zum Fenster und sah hindurch. Die Sonne schickte soeben die ersten hellen Strahlen über den Horizont und beleuchtete die dunkle, tobende Wolkenfront, die mit unglaublicher Geschwindigkeit auf das Dorf zu brauste. Sie kommen...


Milo und die verwunschene Burg (Märchen, veröffentlicht im Märchenbasar 2, 06/07)

In einem fernen Land lebte einst eine alte Bäuerin, die hatte drei Söhne. Alle drei waren klug und von kräftiger Statur, denn das Leben auf dem Bauernhof war hart und entbehrungsreich.
Jeden Tag stand die Landfrau mit ihren Söhnen auf dem Felde und arbeitete von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Viel war es nicht, was sie erwirtschaften konnten, dennoch reichte es, dass keiner Hunger leiden musste.
Eines Tages jedoch überkam die alte Bäuerin eine Schwäche und sie sackte inmitten des Ackers zusammen. Kein Laut kam mehr über ihre Lippen, nur noch ab und an ein Ächzen und Stöhnen.
Besorgt trugen die drei Söhne die Landfrau zurück ins Haus und bereiteten ihr Bett mit weichen Kissen und Decken, damit die alte Frau gut liegen konnte. Danach schickten sie den Jüngsten den Arzt zu holen, denn noch immer kam weder ein Wort aus ihrem Munde, noch konnte sie sich erheben. Alsbald erschien der Doktor und begann sofort, die Kranke zu behandeln. Doch was er auch tat, es schien keine Wirkung zu haben. Jede Tinktur, alle erdenklichen Pülverchen und Tränke versuchte er, doch keines brachte die erhoffte Besserung.
Da gab der Arzt verzweifelt auf und sagte zu den drei Söhnen: „Ich weiß nicht mehr weiter. Nichts scheint zu wirken oder zu helfen. So müsst ihr denn nach einem anderen Mittel suchen. Ich bin hier leider mit meinen Künsten am Ende.“
Die drei Söhne berieten sodann, was zu tun sei. Da sagte Gilo, der älteste Sohn: „Ich werde mich in die Welt aufmachen und nach einem Heilmittel suchen, das unsere Mutter gesunden lässt.“...


Bleiben Sie in Verehrung! (Skurriles, veröffentlicht im Fanzine „Welt der Geschichten 2“, 12/06)

Mit seinem üblichen Abschiedsgruß und einer graziösen Verbeugung entließ Erzengel Nathaniel, oberster Creative Director der AW&V,Anbetung, Wunder&Verehrungen-Werbeagentur, soeben seine aktuellste glückliche Kundin. “Bleiben Sie in Verehrung.”
Die bislang noch unbekannte Göttin mit dem seltsam anmutenden Namen Scheba, verließ seelig lächelnd die Räumlichkeiten der Agentur. Nathaniel hatte ihr vor wenigen Momenten ein Standardvermarktungs-Paket als exklusive Weil-Sie-es-sind-Sonderleistung schmackhaft gemacht, welches ihr einen hübschen kleinen Posten als Mondgöttin im arabischen Raum einbringen würde. Inklusive einer ordentlichen Anhängerschaft. Genau mit dieser charmanten Selbstverständlichkeit,mit der Nathaniel immer wieder aufs Neue zufriedene Kunden für die AW&V heranschaffte, hatte er sich auch auf den Chefsessel befördert. Ihm war allerdings völlig schleierhaft, warum er jedes mal nach den diversen Meetings und Besprechungen mit dieser Dame darüber nachdachte, eine neue Karriere mit der Herstellung von Katzenfutter zu beginnen. Er würde das irgend wann ergründen müssen. Nun war es jedoch höchste Zeit, einen größeren Fisch an den Haken zu holen.
“Samsaeel!” brüllte Nathaniel durch die Büroetage. “Sofort in mein Büro! Und bringen Sie die Unterlagen der Leviathan-Kampagne mit!” Damit drehte er sich um und stapfte in sein Büro zurück. Kaum hatte er es sich in seinem monströsen Ledersessel der Marke Himmelflausch bequem gemacht, klopfte es zaghaft an der Tür und eine zerfledderte Cherubim namens Samsaeel steckte den Kopf in Nathaniels Büro. “Machen Sie hin, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit”, wetterte Nathaniel ungeduldig und zeigte auf den Besucherstuhl vor dem Schreibtisch. “Setzen Sie sich, setzen Sie sich.” Samsaeel drückte sich durch die Türöffnung in das Büro und ließ sich mit zitternden Flügelspitzen nieder, eine unordentliche Akte fest an den Körper drückend. “Werter Erzengel Nathaniel. Ich äh...” “Samsaeel”, unterbrach in der Agenturchef. “Kommen wir direkt zur Sache. Kurz und knapp. Wie steht es mit der Leviathan-Kampagne? Haben Sie Ergebnisse?” “Nun ja, werter Erzengel. Ich äh... die Unterzeichnung des Kunden verzögert sich noch ein wenig.” Samsaeel zuckte unwillkürlich zusammen, als das voraussehbare Donnerwetter einsetzte...





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