Die Weitergabe des Codes



Den Ursprung der Welt
zeigt uns Courbet
in zart beleuchteten Schenkeln
- dem prallen Fleisch -
und in deftiger Scham.
So will man glauben,
dass der Mensch
ausschließlich lebt,
um sich zu vermehren.
Nur warum dann
erschafft er sich
all diese Komplikationen?
Legt sich nieder und genießt,
doch im Gedanken
längst wieder auf dem Sprung.
Hinaus aus dem Ursprung,
hinein ins Zerwürfnis.
Als müsse das Denken
Stein auf Stein gestapelt werden,
um sich dahinter zu verstecken.

© Annelie Jagenholz

 

Zeit-Festhalten

 

In Schatten geworfene Silhouette

frisst Licht, verwischt Konturen.

Geblendet, wo in Zwischenräume getaucht

wie gesiebt die Bewegung

den Raum durchbricht.

Winzige Veränderung,

nicht sichtbar, wenn man nur schaut.

Doch als Lächeln gelockt

und erfasst im Zyklopenauge,

das weiße Gesicht

wie erstarrt.

Ein bisschen Gegenwart gerettet,

doch alles so verkrampft

in Stillstand gebannt

auf Papier gebrannt:

Gelöst sind Wenige.

Und die Momente kreisen

dort in schwarz und nackt und weiß.

Irgendwann auf jedem Bild

nur noch Unbekannte.

Zu Staub zerfallen

diese Spuren an Leben.

Das Rieseln der Zeit

so sichtbar gemacht.

 © Annelie Jagenholz