© Foto Manfred Wrobel

Angelika Stephan, 1956 geboren in Essen. 1975-1981 Lehramtsstudiengang Deutsch und Kunst, 
Essen 2005 wurde mein Kapitel 9 des Krimis "Schmutzige Geschäfte" in den Borbecker Nachrichten veröffentlicht,
 2008 wurde mein Gedicht "Seelenfarben" in "Ausgewählte Werke XI", Lyrik Sammelband der Bibliothek 
deutschsprachiger Gedichte veröffentlicht.
2009 Gedichteveröffentlichung "Erinnerung" in "Ausgewählte Werke XII",
Lyrik Sammelband der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte
2009 Prosaveröffentlichungen "Begegnung" und "Angst" in 
"Die Brücke",
Forum für antirassistische Politik und Kultur, Nr. 152
2009 Mitglied der Autorengruppe "Schwarze Lettern", Mülheim an der Ruhr
  
Auch hier faszinieren mich, ebenso wie in meiner Malerei, die Gefühlsmomente des Menschen. 

Kontakt:
www.stephanart.de

Angelika Stephan

Menschenbild

Aus manchen Menschen

tropft die Bosheit heraus

wie Wasser aus einem

beschädigten Eimer.

©Angelika Stephan

 

 

Menschen  

Menschen, geschäftig,

laufen und eilen,

keine Zeit zum Verweilen.

 

Es scheint mir,

als ob das Leben

sie nicht mehr erreicht.  

 ©Angelika Stephan

Maske

 

Deine Maske ist zerbrochen.

Erbarmungslos

quillt der Schrecken Deiner Kindheit

in den Vordergrund,

setzt sich breit und schwer

auch auf meine Seele.

 

Kaum zu ertragen,

nimmt er die Luft zum Atmen.

Ich fange Deinen Kummer auf wie ein Gefäß,

das sich langsam füllt.

 

Dein Vertrauen gibt Kraft,

meine Liebe Erlösung.

©Angelika Stephan

 

 

Lethargie

 Hilflos paddle ich

in meiner Lethargie,

sehnsüchtig wartend auf die Trillerpfeife,

die meine Qual beendet.  

©Angelika Stephan

 

Erinnerung  

Mein Kopf liegt leicht auf deiner Brust,

gleichmäßiger Atem

gibt mir Trost.

Deine Hand streichelt mein Haar.

- Vertrauen -  

Behutsam führt diese Hand

mich durch die Kinderzeit.

Gibst mir Glück und Liebe,

die du nie gekannt.

- Geborgenheit -  

Mit Rat und Tat

begleitest du mein Leben,

lachst und weinst mit mir.

Eigene Kindheitsgeister quälen dich.

- Maskenball -  

Wieder liegt mein Kopf auf deiner Brust,

schwerer Atem und Bewegung keine,

wortlos, doch vertraut dein Blick,

sucht deine Hand die meine.

- Abschied -  

©Angelika Stephan

 

 

Seelenfarben  

Findet Euch wieder,

spürt den Hauch der Gefühle,

seht die Farben der Freude und Trauer,

hört die Töne meiner und Eurer Seele

- in meinen Bildern -

 

Finde mich wieder,

meine Seele weint,

doch niemand bemerkt es,

funktioniere ich doch – noch

- in meinen Taten -

 

In Farben tauche ich rebellische Gefühle,

zarter Pinselstrich oder Spachtelei,

bearbeite das Linnen,

facettenreich sichtbar für alle, für Euch, für mich,

- auch für Dich? -

 

Sieh hin, höre zu,

dann wirst Du mich finden,

verzeihend und hoffnungsvoll,

poliere mit mir die verblassten Farben der Liebe

-  gemeinsam –  

©Angelika Stephan

 

Prosa

ANGST  

Zunächst ist es nur ein gewisses Unbehagen, das ganz langsam an meinem Körper hinauf kriecht  und sich in meinen Knochen festsetzt. So, als ob man an einem kühlen und regnerischen Tag vergessen hat, eine Jacke anzuziehen.

Ich fröstele.

Dein Gesicht, fein geschnitten und gepflegt, dein Kopf bedeckt von langen, schwarzen und gelockten Haaren.  Ich mag Männer mit langem Haar. Was macht mir also Angst? Ist es deine fremdländische Kleidung, dieser Seidenkaftan, diese unbekannte Kopfbedeckung?

Dann, als du ein Handy aus deiner Tasche hervorholst, die auf deiner Schulter ruht, eine Taste drückst,  aber nicht zum Telefonieren, da tanzen plötzlich Wortfetzen wie „Bombe“, „Terror“, „Attentat“ und Fotos von toten und verstümmelten Menschen abwechselnd vor meinen Augen.  Es ist ein Bauchgefühl, ich kann mich nicht wehren. Ich stehe neben dir. Mein Herz klopft wie verrückt. Ich höre den Blutstrom in meinem Ohr, spüre, wie das Rauschen zunimmt. In meinem Kopf hämmert es laut. Mein Körper erstarrt zu Eis.

Ich habe ANGST, ja, furchtbare Angst.

Endlich erreicht die U-Bahn meinen Zielbahnhof. Panikartig stürze ich dem nächstgelegenen Ausgang zu. Nur raus hier, nur raus.  

Oberirdisch wähne ich mich in Sicherheit, hole tief Luft. Mein eingefrorenes Gehirn wird wieder lebendig.

Panikattacke, Vorurteile? Ich habe kein Problem mit ausländischen Mitbürgern. 
Habe ich doch auch Freunde verschiedener Nationalitäten und Glaubensrichtungen. Sicherlich ist dieser junge Mann der friedfertigste Mensch unter Allahs Sonne.  Er hat bestimmt nur das Handy abgestellt, damit es nicht stört.

Verzeih mir!  

©Angelika Stephan

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