(c) Ama Dea

Ama Dea wurde 1950 in der Nähe von Graz/Österreich, geboren.

Nach den Pflichtschulen und einer abgeschlossenen Lehre, lebte sie 24 Jahre im Ausland
(Schweiz, England, Australien).

Seit 1996 verheiratet. lebt sie nun eher zurückgezogen in Graz.

                                            "Ich bin zweiheimisch", das sind die Worte von der Künstlerin Edith Kramer

(Artikel, Kleine Zeitung 4.7.06) – sofort konnte ich mich damit identifizieren. Auch ich bin zweiheimisch (Australien - Österreich) und leide des Öfteren darunter.

Im Januar 2005, erwachte ich eines Morgens und fand mich im tiefen Loch. Sofort flüchteten meine Gedanken zu meinen Freunden in Melbourne.

Melbourne?

Habe ich tatsächlich dort gelebt?

 

Meine Zeit in Australien erschien mir auf einmal so weit weg gerückt - mein Erschrecken war riesengroß, ich wusste, irgendwie muss ich sie festhalten. Mein erster Gedanke war, sofort in ein Flugzeug zu steigen - aber meine realistische Seite raunte: schreib endlich das Buch! Noch am gleichen Tag hab ich die ersten Seiten geschrieben und fühlte mich sofort euphorisch - mein Denken, dass ich jeden Tag ein gewisses Pensum schreibe und schon bald das fertige Buch in Händen halten werde, waren natürlich Gedanken der Unwissenheit.
Jetzt allerdings ist es soweit.

 

ISBN 3865485561

Taschenbuch 238 Seiten

Verlag: Frankfurter Literaturverlag

1. Auflage Juli 2006 in deutscher Sprache

2. Auflage August 2006 in deutscher Sprache

 

„Frieden – das Unverzichtbare“  (Gedicht)

Veröffentlicht im Jahrbuch für das Neue Gedicht

Erscheinung: zur Adventzeit

Verlag: Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M.

 

Leseproben

Die Büffeljagd

.…… just in diesem Moment sehen wir die erste Büffelherde, wobei der Anführer auf uns zu rennt und erst nachdem Eren einen Schuss in die Luft abgibt, stehen bleibt.  Alle Büffel glotzen uns an. Ich gestehe ganz ehrlich, ich habe Angst, die Hörner dieser Tiere aber auch die Leiber insbesondere des Anführers, waren riesig. Wir tuckern weiter ohne dass Eren einen dieser Büffel erschoss. Eren wollte das eben genießen und war sicher, noch mehrere Herden zu sehen. Es war gegen 18.30h am Abend, die Nacht bricht  erst so um 21h ein, wir hatten noch Zeit.

Unsere Mineralwasserflasche war bis auf ein Drittel geleert der Rest ist lauwarm, die drückende Hitze gibt einem das Gefühl immer trinken zu wollen.

Nach einiger Zeit, die Dämmerung beginnt schon hereinzufallen, wird mir bewusst wie laut es auf einmal war und wie mit jeder Minute der Lärm der Insekten  anschwoll. Unglaublich!

Dann geht es Schlag auf Schlag, der Allrad hat sich festgefahren. Die Zeit vergeht  wie im Flug, während ich dumpf aus dem Fenster starre, sehe ich direkt vor dem Auto eine fluoreszierende Schlange die sich am Mittelstreifen vom Auto wegbewegt. Meine Faszination für diese in den Regenbogenfarben schillernde, circa achtzig Zentimeter lange Schlange, ließ mich momentan meinen Horror vor Schlangen vergessen. Außerdem war ich ja im Auto, auch wenn es sich nicht bewegt, dass wir uns in einem sumpfigen Gebiet, natürlich auch das Zuhause von Krokodilen befanden, wurde mir erst so nach und nach klar.

 „Wir müssen zu Fuß weiter“ sagt Eren,

„NIEMALS“ schreie ich ihn an.

„Nadine bitte sei vernünftig, es kann Wochen dauern bevor hier jemand vorbei kommt, wir haben nur mehr ganz wenig Wasser, wir würden erbärmlich verdursten“!

Ich konnte nicht aussteigen, lieber sterbe ich hier im Auto als von einer giftigen Schlange gebissen oder noch schlimmer, von einem Krokodil gefressen zu werden. Eren redet auf mich ein, es ist total dunkel geworden, kein Mond noch am Himmel und unsagbarer Lärm von den Insekten und meine Überzeugung, niemals das Auto zu verlassen, lassen Eren schlussendlich seine Geduld mit mir verlieren.

Er steigt aus und nach einigen Schritten war er in der Dunkelheit verschwunden. Ich sitze wie erstarrt, .....

 

Der Wirbelsturm oder Zyklon Gretel 

…….es ist etwas nach vier Uhr dreißig am Morgen, der Nachrichtensprecher schreit schon fast hysterisch in die Kamera, etwas von:

„Gretel ist da“

 ich sehe gerade noch wie sein Schirm in Stücke zerfetzt wird, dann ist es Stockfinster und der tosende, wütende Zyklon nimmt seinen ungeheuerlichen Lauf. Mir bleibt fast das Herz stehen, mit keuchendem Atem schreie ich nach Eren der mich in Richtung Badezimmer zieht.

     Die ersten Minuten sind nicht in Worten auslegbar. Wir kauern am Boden, an der schwülen Luft in diesem engen Raum unter den Matratzen, drohen wir zu ersticken. Draußen wütet ein Ungeheuer, es kracht auf einmal mehrere Male, das Getöse des Sturms übertrifft alles was ich an Lärm bisher gehört habe, die Ohren schmerzen  und dann ein ohrenbetäubender metallener Krach, ein Erbeben unseres Gebäudes und wieder dieser schleifende Krach als würde etwas Überdimensionales über Metall gezehrt. Ich höre wie jemand

„Mami“

schreit, Erens Arme umschlingen mich so fest, er schreit mir zu:

„du wirst deine Mutter sicher wieder sehen, es wird bald vorbei sein“.

Ich weiß nicht wie lange wir so eng umschlungen dagesessen sind, immer wieder derselbe Gedanke im Kopf, Hölle, Hölle, Hölle...

 

Zurück nach Melbourne

…….mein lieber Freund Anthony lädt mich auf einen Drink für heute Abend ein. Er wohnt in einer großen Villa welche zur Hälfte in Appartements umgewandelt wurde. Die Villa liegt in einem Park mit uralten, hoch gewachsenen Bäumen. Der Eigentümer  ist laut Anthony, ein kleingewachsener schrulliger Mann und wohnt in der anderen Hälfte der Villa.

Am Abend treffen Anthony und ich uns in einer kleinen Wein-Bar. Anthony ist ganz aufgeregt und flüstert mir zu, dass hinten in der Ecke sein Vermieter sitzt. Ich halte Ausschau und meine, er solle mich vorstellen. Wir gehen an seinen Tisch und merken der Eigenbrötler ist über unsere Gesellschaft, erfreut. Als Anthony mich als Österreicherin vorstellt, hellen sich die Züge dieses Mannes auf:

„Eine junge Frau aus der alten Monarchie!“

 Er erzählt uns, dass er Wien und Salzburg sehr gut kennt, einmal im Jahr für mehrere Monate nach Schottland reist, dort Seminare über Antiquitäten besucht und dann durch Europa reist, um solche auch einzukaufen. Er verspricht, sobald er alles etikettiert und umgestellt hat, wird er uns seine Schätze zeigen. Ich aber will nicht so lange warten, sondern bettle so lange, bis er uns gleich zu sich mit nach Hause nimmt.

Nach dem Besuch bei ihm, brauchen Anthony und ich einen Cognac um unsere Gemüter zu entspannen. Dieser Mann schläft in Napoleons Bett!!!!  .......

 

Die Dracula Party

…….es ist schon kurz vor Mitternacht, als noch ein Drakulagast  zur Party kommt. Instinktiv weiß ich, dass dies die Person ist, die ich heute am Abend treffen musste. Er war rein vom Optischen wohl der schönste Mann, dem ich jemals begegnet bin. Seine Ausstrahlung war unglaublich, wie selbstverständlich kommt er auf mich zu und flüstert mir ins Ohr:

„Da bist du ja, ich hatte eigentlich keine Lust hierher zu kommen, musste es aber, weil du mich brauchst!“

     Er verwickelt mich rasch in ein sehr persönliches Gespräch, ich komme aus dem Staunen nicht heraus, wie viel dieser Mensch schon von mir zu wissen scheint, wie leicht es war mit ihm zu reden und wie unter einem hypnotischen Zustand, gebe ich ihm meine Telefonnummer und Adresse bekannt. Mit den Worten: „ich ruf dich morgen an“, verlässt er die Party.

     Es  war, als wäre das Licht ausgedreht worden, die Leute um mich herum wurden sehr schnell zum störenden Faktor. Desperat versuche ich Bruce zu überreden, nach Hause zu fahren, er aber amüsiert sich bestens. Ich setze mich in eine dunkle Ecke und denke über das Geschehene nach. Wie bizarr, ein fremder Mann kommt schnurstracks auf mich zu und meint, er ist nur hier weil ich ihn brauche. Waren da Drogen im Getränk? Das ist ja alles nicht rational, gleichzeitig denke ich aber wieder an mein Bauchgefühl, dass mir sagte, ich muss unbedingt auf diese Party kommen weil ich eine für mich wichtige Person kennen lernen werde. Verrückt!

     Ich versuche mich zu beruhigen, schließlich sind ja schon öfters verrückte Dinge passiert, Dinge die ich unmittelbar vor ihrer Aktualität, schon wie einen Flash in meinem Gehirn vorüber ziehen sah.

 

Jonathan

……. es war unglaublich schön, das angenehm kühle glasklare Wasser, der von orange-rosa bis hin zu lila in vielen Schattierungen von blau, leuchtende Frühabendhimmel und die Nähe dieses Mannes, der mir auf unverschämte Weise den Kopf verdreht hat. Jonathans Drang nach kräftigem Schwimmen, erlaubt mir für kurze Zeit an Clarence und unsere reine schöne Liebe zu denken und in weiterer Folge an mein Empfinden nach seinem Tod, nie mehr einen anderen Mann lieben zu können.  Ich begreife auf einmal, dass man jedes Mal anders liebt und wohl auch aus anderen Gründen. Meine Gedanken werden von Sennas Gebell unterbrochen, ein Porsche hält hinter Jonathans Mercedes.

Jenny und Paul steigen aus, winken und sich ihrer Kleider während des Näher Kommens entledigend, tauchen sie splitternackt zu uns in den Pool.

Wow, welch ein Entree!

Lachend, keuchend, sich das Wasser aus den Haaren schüttelnd, schwimmen sie heran. Jonathan hatte Recht, ich mag sie sofort nachdem ich einen Blick in ihre lebenslustigen freundlichen Augen machte. Ganz unkompliziert, als würde ich schon immer ein Teil ihres Freundschaftskreises sein, begrüßen sie mich, erzählend, dass sie sich die letzten fünfzig Kilometer nur noch auf das kühlende Nass des Pools freuten. Walter, wie eine fürsorgliche Mutter, legt uns Badetücher auf einem Sessel bereit, rückt die Liegen zurecht und mit einem wohlwollenden

„Gin und Tonic kommt sofort“, entfernt er sich…….

 

 …….ich fordere Senna auf mit mir ein Stück zu laufen. Es ist mittlerweile neun Uhr und schon ziemlich heiß. Der Weg dem ich entlang jogge macht eine Biegung, Senna, die einmal vor dann wieder zurück zu mir läuft, stürzt sich auf einmal wild bellend auf etwas im Gras am Rande des Weges um dann aber sofort wieder zurück zu weichen, mit allen vier Beinen gleichzeitig in die Höhe springt und jaulend wie ein Blitz in Richtung Haus davon jagt.

Ich stehe wie gelähmt als eine Schlange quer über den Weg, in meine Richtung auf mich zukommt. Fassungslos starre ich auf dieses dicke etwa vier oder fünf Meter lange Ungetüm, in meinen Öhren dröhnt es, meine Panik kennt keine Grenzen, in meinem Inneren schreit es, nur jetzt nicht in Ohnmacht fallen, ich höre das Motorengeräusch nicht, willenlos lasse ich mich von Jonathan ins Auto zerren. Jonathan hat das Aufgebracht sein von Senna richtig gedeutet und mir so denke ich, damit das Leben gerettet. Der horrende Gedanke, wäre Jonathan nicht gekommen und ich in Ohnmacht gefallen, hätte mich der Python sicherlich erdrückt und verspeist.

 

Meine Konfrontation mit AIDS

…….für diesen Montag ist ein Restaurantbesuch mit Desmond und unseren Freunden geplant. Es ist Desmonds Geburtstag und wir wollen ihn gehörig feiern. Wir sitzen schon alle im Restaurant und warten auf Desmond. Hat er auf uns vergessen?

Sind wir im falschen Restaurant? Es ist nicht seine Art, jemanden warten zu lassen.

     Die Tür wird schwungvoll aufgestoßen, Desmond, hager, in  ein langes schwarzes Cape gehüllt, er erinnert mich an Count Dracula, stürmt herein. Seine Miene verhieß nichts Gutes. Mein Gott was ist passiert, rufen wir alle durcheinander. Er tut es mit einem

„nichts

ab. Nachdem wir wissen, dass er nicht daran denkt uns einzuweihen, versuchen wir ihn abzulenken, was aber erst nach dem Konsum von einigen Flaschen Champagner so einigermaßen gelingt. Der Abend war kurz, Desmond verabschiedet sich und lässt uns alle mit erstaunten Gesichtern im Restaurant sitzen. Ich verabschiede mich als Nächste und fahre zu Desmond.

 

 „Ich habe Aids“

ist seine Begrüßung. Fassungslos stehe ich da, jawohl, mein Hirn schlägt Purzelbäume, mein Herz  hämmert mir im Hals, langsam sinke ich auf die Couch. Wir weinen gemeinsam.

Wie tröstet man jemanden der heute, an seinem Geburtstag sein Todesurteil erfahren hat?

 

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