
Silvia Grad, geb. 1944, lebt mit
ihrer Familie in Hohenstein- Ernstthal.
Sie arbeitete als Buchhändlerin,
Erzieherin, Lehrerin und Museumsangestellte.
Seit fünf Jahren schreibt sie
Kindergeschichten, Kurzgeschichten und Lyrik.
Von ihr wurden bereits Gedichte und
Kindergeschichten in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht.
Ihr Lebensmotto:
„Das Leben ist kein Rezeptblock. Du musst nehmen, was es dir bietet.“ – Erwin Strittmatter

Der Wecker
Eva ist ein kluges Tier –
das „Mädchen“ lebt im Affenhaus-
wenn etwas tickt, gefällt es ihr –
sie hat so manchen Trick heraus.
Weil Eva heut’ sehr einsam ist,
entwickelt sie ’ne Affenlist.
Wo Freiheit winkt, erkennt sie helle,
öffnet ein Türchen auf die
Schnelle.
Ab durch die Mitte – rauf aufs
Dach,
Sprung zum Balkon vom Nachbarhaus
zu Pflegers Erics Schlafgemach
-
sucht sich dort dessen Wecker aus.
Schnell
dann ins „eigne Reich“ zurück,
unbemerkt
gar – welch’ ein Glück!
Und
findet äußerst interessant
das laute
Tick –Tack in der Hand.
Sie
schraubt und dreht und demontiert
und hat der
Rädchen letztlich viele.
Ob essbar
was, wird auch probiert,
doch
schweigt das Ding, als sie am Ziele.
Und Wärter
Eric schläft zu lange,
erkennt
gleich: Äffchen Ev’ ist bange,
als spät
er kommt ans Affenhaus –
sieht ganz
nach „schlecht’ Gewissen“ aus!
Eva kommt
schnell ans Gitter her,
reicht Eric
ihre Beute hin –
zwar ist
dies’ längst kein Wecker mehr
-
doch alles da – was vorher drin.
Entwaffnend
blickt das Äffchen nun
-
was bleibt dem Eric da zu tun?
Sein Heim bleibt künftig Wecker
–frei,
scheint, dass auch ihm dies’ lieber
sei.
© Silvia Grad - 2001
Herbstgedanken
Der Sommer verlässt unsere Welt,
das Laub an Bäumen vergilbt und fällt.
Die Kühle lässt nun die Stare
flieh’n,
ihr Wanderflug geht nach Süden hin.
Wenn man die braun- kahle Erde sieht,
in der
Menschen Herz leicht Wehmut zieht.
Von farbigem Leben schwand die Spur,
herbstmüde träumet die Erde nur.
Manche Wunden des Lebens schmerzen,
keinerlei
Kräutlein schließen sie zu.
Doch Hoffnung auf Lenz keimt im
Herzen,
schenket uns neue Kraft und auch
Ruh’.
So ist stetig der Lauf im Leben;
mit Trauer und Schmerz gleich
durchwebt.
Doch einst wird der Lenz uns erheben,
wenn Sonnenwärme Seelen belebt.
© Silvia Grad - 2002
H
A U T
- Nacht
In dieser Nacht,
wo wir nichts spürten
als nur uns selbst –
wo sich unsere Seelen
und Körper berührten-
diese Nacht –
ging unter die Haut.
© Silvia Grad - 2001
Hölle
der Affen
Zahlreiche
Tiere, hilflos und schwach,
erleiden
schreckliche Qualen und Ungemach.
Es
wäre wohl besser,
sie
wären nie geboren
für
Experimente in Versuchslaboren.
Schimpansen
vegetieren in Käfigen dahin
zu
„starker Menschen“ finanziellem Gewinn.
Rund
1500 Primaten
sperrte
man dorthinein,
in
die Käfige aus Metall, die viel zu klein.
Tierschützer
wollen jetzt Freiheit schenken
und
der Tiere Leben zum Guten lenken,
sie
in Auffangstationen
nach
Spanien geben,
denn
dort können sie artgerecht leben.
Nie
wieder darf es die „Hölle der Affen“ geben,
doch
so lange Menschen im Größenwahnstreben
noch
glauben,
dass
Tiere nicht fühlen wie wir,
wird
sich nichts ändern auf Erden hier.
©
Silvia Grad - 2001
einander rühren
in Fantasien entführen
mit Worten innig berühren
von Nähe träumen
Sehnen erleben
nach Zärtlichkeit dürsten
heiß
erfassen
Liebe spüren
sanft erbeben
fern – nah erleben
© S.G.
hinter
den zweigen
hängt in sternenklarer nacht
übergroß der mond
einer macht gleich
die dich wie ein magnet anzieht
Tanka
© Silvia Grad
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
kabale
und liebe
spannender
politkrimi
immer
noch zündstoff
politische
intrige -
zum
zwecke des machterhalts
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
© S.Grad
TANKA:
Anlass: vor 220 Jahren Uraufführung von Schillers „Kabale und Liebe“ in Frankfurt
Legespiel
Mein
Leben ist ein Legespiel,
dessen
Teile noch
immer
nicht ganz passen.
Wenn
sie mehr abgenutzt sind,
wird
der Tod
sie
zusammenlegen.
Denn
für ihn
ist
mein Leben
nur
ein Kinderspiel.
©
Silvia Grad - 2002