3. Platz Wettbewerb "Herbst" *Kurzgeschichte*: Sabine Moewert-Jelonnek Kurzbiographie * * *
Ich, Sabine Moewert-Jelonnek, geb. 11.05.1963 in Dortmund lebe mit meinem Mann und meinen
drei Kindern in Bosau/Ostholstein. Nach dem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau und erwarb anschließend während meiner Berufstätigkeit die Ausbildereignung. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Kinderbüchern und schreibe auch selbst. An unserer Grundschule betreibe ich aktive Leseförderung und leite in der hiesigen Kirchengemeinde den Kindergottesdienst und die Kindergruppe mit. Im Sommer 2006 habe ich eine erste Geschichte in der Anthologie „Im Regenbogenland. Sechzehnte Reise“ beim Frieling Verlag veröffentlichen können. Zur Zeit arbeite ich an dem Ende eines Fantasy-Romanes, mit welchem ich mich um einen großen Preis bewerben möchte. Mit vielen kleineren Texten habe ich mich an bereits laufenden Wettbewerben beteiligt.
Inzwischen habe ich mich einer Schreibwerkstatt angeschlossen und plane einen Autorenstammtisch.
Oma und Opa sind verliebt
Es war ein ungewöhnlich milder und sonniger Herbsttag. Hand in Hand lagen sie da. Lagen im warmen Sand und lauschten dem Rauschen des Meeres. Als sie die Augen öffneten sahen sie die drei über sich kreisen: eine Sonne, einen bunten Elefanten und einen wilden Tiger. Die Drachen ihrer Enkel. Ihre fröhlichen und ausgelassenen Stimmen bahnten sich den Weg durch das stetige Platschen der Wellen bis zu den beiden Liegenden. Sie sahen sich an und lachten. Ohne Worte wusste der eine vom anderen wie glücklich er in diesem Moment war. Sie kannten sich seit einer Ewigkeit und waren sich so vertraut. Sie genossen es einmal im Monat dieses lange Wochenende mit ihren Enkeln zu verbringen. Sie hatten drei Kinder, von dem ihnen bisher jedes einen Enkel geschenkt hatte. An diesem gemeinsamen Wochenende waren sie alle drei gemeinsam bei Oma und Opa. Das Mädchen war 6 und die beiden Jungen 8 Jahre alt.
Nun waren die beiden müde vom Herumtollen. Längst hatten auch sie ihren Herbst erreicht. Doch sie genossen es. An einem Tag wie heute ganz besonders. Später würde Opa die Fische zubereiten, die er früh am Morgen geangelt hatte. Und jeder der Kinder würde sich um dieselbe Aufgabe reißen, bis alles genau aufgteilt war. Tisch decken, Brot schneiden, Salat zubereiten. Die beiden fühlten sich an diesen Wochenenden so erfrischend jung und in die Vergangenheit zurück versetzt. Wieder schlossen sie die Augen und träumten. Träumten von ihrem Leben. Sie hatten sich immer geliebt, auch wenn es manchmal Probleme gegeben hatte. Das eine oder andere Mal hatte sich einer von beiden verirrt auf dem gemeinsamen Weg, doch sie hatten immer wieder zu einander gefunden. Heute waren sie dankbar dafür. Auch dass sie noch nicht alleine waren. Sie hatten noch so viel vor.
Schwer atmend kam etwas auf sie zu. Sie blinzelten. Es war ihr Hund, der sich keuchend und mit heraushängender Zunge zwischen sie warf. Sie tätschelten ihm das glatte Fell und hielten ihn eng umschlungen.
Sie lauschten. Es war ruhig geworden. Am Himmel kreisten nun nur noch der Elefant und der Tiger um die Wette. Zärtlich sah er sie an. Ihr offenes Haar, die schlanke Gestalt. Er beugte sich über sie. „Glaubst du, dass unser Winter genau so schön wird?“ Sie wusste was er meinte und küsste ihn zur Antwort. Plötzlich kitzelte jemand ihre Füße und rief: „Schaut mal: Oma und Opa sind verliebt!“
© Sabine Moewert-Jelonnek
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