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Bist du der Weihnachtsmann?
Anna-Maria Niehues
Mein Name ist,
Annemarie, im Juni 1952 geboren.
Wir wohnen in St. Tönis,
bin verheiratet
Sind Beide leider schon Frührentner,
haben dadurch viel Zeit füreinander
und für unsere Hobbys.
Drei erwachsene Kinder
und zwei Enkel gehören zu uns.
Ich bin Autorin seit 2003,
bastle, male und fotografiere gern.
Mein erstes Buch, ein Gedichtband,
ist 2004 erschienen unter dem Pseudonym Maria Bern.
Weitere Bücher folgten und weitere sind in Arbeit.
* * *
Zwei kleine Mädchen hopsten durch die Straßen.
Sie waren aufgeregt, denn heute war Heilig Abend.
Da sie nebeneinander wohnten in der Rosenstraße und die besten Freundinnen
waren, schickten ihre Eltern sie noch ein wenig spazieren.
Maria die kleinere, schon sehr aufgeregt, lebte mit ihrer Mama alleine
und sie waren seit dem Tod von Papa sehr arm, da Mama keine Arbeit hatte.
Aber Mama hatte immer eine kleine Überraschung für das Kind und sie versprach,
dass auch zu ihr heute der Weihnachtsmann käme.
Susi, ihre Freundin, hatte noch Mama und Papa und einen großen Bruder.
Sie machte sich aber keine Gedanken, denn sie wusste, der Weihnachtsmann kommt eh zu
ihnen und erfüllt ihnen wie jedes Jahr all ihre Wünsche.
Als sie so kicherten und erzählten, sahen sie in einem Wartehäuschen an der
Straßenbahnhaltestelle einen alten Mann sitzen.
Er trug einen weißen Bart, eine Pudelmütze und einen dunkelblauen abgetragenen Wintermantel.
Neben sich auf der Bank hatte er einen Rucksack und drei Plastiktüten zu liegen.
„Ob das der Weihnachtsmann ist,“ flüsterte Susi Maria ins Ohr.
„ Ich weiß es nicht - vielleicht?, erwiderte ängstlich die Freundin.
„Fragen wir ihn,“ sagte Susi, denn sie hatte keine Angst, sie wusste ja von ihren Eltern, das er
Geschenke brachte und wirklich heute zu ihnen kam.
Maria nahm Susis Hand und ging ganz langsam hinter ihr her.
„ Du bist doch der Weihnachtsmann nicht wahr, warum sitzt du hier in der Kälte und kommst
nicht zu uns nach Hause, wir warten doch schon so lange auf dich, komm mit,
Mama und Papa freuen sich auch schon auf dich.“
Der alte Mann ließ sich das nicht zweimal sagen und hängte sich seinen Rucksack um und
nahm die Tüten in die linke Hand und Susi bei der rechten.
Die kleine Susi dachte in diesem Moment nur an sich und an ihre Geschenke
die der Weihnachtsmann für sie mitbrachte und vergaß ihre Freundin total.
Maria, sehr traurig und enttäuscht, verabschiedete sich von beiden
und setzte sich auf die kleine Bank vor ihrem Haus. Tränen kullerten über ihr Gesicht, aber sie sagte nichts.
Plötzlich hörte sie ein kreischen von Susis Mama
und der angebliche Weihnachtsmann stolperte aus der Haustür heraus und fiel hin.
Was war nur geschehen, was taten sie dem Weihnachtsmann an,
hatte er nicht die richtigen Geschenke für Susi und ihre Familie gebracht ?
Ihr tat der alte Mann so leid und sie half ihm wieder auf die Beine
und gab im seine Tüten die am Boden lagen.
„Du bist ein liebes Mädchen und so artig und gut erzogen,
putze mir nur den Schnee von meinen Mantel damit ich weiter gehen kann.“
„Aber was war denn lieber Weihnachtsmann,
warum haben sie dich hinausgeworfen ?“
„Weil ich um etwas heißen Tee und eine Scheibe Brot bat.“
Alles konnte die kleine Maria verstehen, aber das nicht,
er tat ihr in der Seele leid und sie sagte: „Ich lebe mit meiner Mama alleine, wir haben wenig zu essen,
aber das was wir haben, glaube mir, das teilt sie mit allen die Hunger haben,
komm mit zu uns nach Hause.“
Der alte Mann hatte Angst, noch einmal vor die Tür geworfen zu werden,
aber sein Hunger war größer als seine Bedenken und er ging mit Maria mit.
„ Mama, Mama, schau wen ich da mitgebracht habe – den Weihnachtsmann,
er ist schon halb erfroren und Hunger hat er auch und . . . „sprudelte die kleine Maria nur so heraus.
„Langsam mein Kind, schön langsam, kommt erst einmal beide herein.
„Na, lieber Weihnachtsmann, dich hat es ja arg erwischt,
du wirst dir einen Schnupfen holen,
komm, ich koche dir gleich einen schönen heißen Tee und Maria legt etwas Holz nach,
damit du dich vor den Ofen setzen kannst.
„Oh danke, ihr seid zu nett, so was habe ich seid Jahren nicht mehr erlebt“.
Maria war wohl noch zu klein um das alles zu verstehen. Man musste doch lieb zu dem
Weihnachtsmann sein, dass hatte sie von Mama und Papa gelernt bekommen,
denn nur artigen Kindern bringt er was am Heilig Abend.
„Lieber Weihnachtsmann, sagte die Mama, ich habe Dir ein Bad eingelassen mit duftender
Fichtennadel. Nimm Dir Zeit und wenn Du fertig bist, habe ich eine Überraschung für dich,
denn auch du sollst spüren, dass heute Heilig Abend ist.
Dieser alte Mann wusste nicht, träume ich das jetzt nur, oder bin ich auf der Bank im
Wartehäuschen schon erfroren und nun beim lieben Gott im Himmel?
Es kann nicht die Wirklichkeit sein! Aber sie war es tatsächlich.
Als der “Weihnachtsmann“ aus dem Bad kam, hatte er ganz rote Bäckchen und war wohl der
glücklichste unter allen Weihnachtsmännern die es gab.
Er hatte sich eine Decke umgehängt
und stand nun im Wohnzimmer und sofort liefen ihm die Tränen.
Er glaubte nun wirklich, er sei beim lieben Gott und seinen Engelchen. Ein kleines
Weihnachtbäumchen stand auf dem Tisch und es leuchteten die Kerzen.
Er war behangen mit selbstgebastelten Papiersternen und in Goldpapier eingewickelte Nüsse.
Auf dem Tisch lagen drei Päckchen.
„Lieber Weihnachtsmann, damit Du nicht frierst, darfst Du Dir das große Päckchen da
aufmachen, es sind die Sachen von meinem lieben Mann, der nicht mehr wieder kommt. Ich
konnte mich nicht von ihnen trennen, aber ich weiß,
sie dienen nun für einen guten Zweck und wir möchten sie Dir gern schenken.
Der alte Mann, packte das Paket auf und war nicht fähig zu sprechen, denn er war wieder am
weinen, aber diesmal vor Glück. Es war lange Unterwäsche, ein Hemd, ein Pullover, eine
Hose, dicke Socken ein paar Stiefel, Handschuhen, ein wolliger Schal und eine dicke Mütze.
„Wie komme ich denn nur dazu, dass ich so reich von euch beschenkt werde, ich bin doch nur
ein . . .“, “pssst, sagte die Mama, - ein halberfrorener Weihnachtsmann,
der nicht mit dem Schlitten und seinen Schimmeln kommen konnte, weil dieses Jahr heilig
Abend kein Schnee liegt und du mit der Straßenbahn zu allen Kindern fahren musst, hab ich Recht?“
„Ja du liebe Frau, genau so ist es.“ „So ihr Beiden, jetzt werde ich die Kartoffelsuppe auftischen,
aber die zwei Würstchen werden wir uns teilen, ich habe nur zwei.“
„Vielen Dank Frau, aber esst ihr mal die Würstchen, ich bin schon über einen Teller heiße Suppe
glücklich. Ich habe hier noch ein kleines Brot, welches ich gern mit Euch teilen
möchte. Das bekam ich heute morgen von einem lieben Bäcker zum Heilig Abend
geschenkt und eine Tasse heißen Tee dazu. Und hier habe ich noch eine Tüte mit ganz was Leckerem drin,
was ich auch gern mit Euch teilen möchte.
Es sind süße abgeschnittene Kuchenränder, vom feinsten sage ich Euch.“
Die Beiden sagten nicht nein und sie begannen das zu essen was sie sich alle geteilt hatten. Als
alle fertig waren mit Abendbrot essen, sagte der falsche Weihnachtsmann zu Maria.
„ Komm mal her mein kleiner Spatz, dir habe ich das hier alles zu verdanken und du bist für mich
das Christkind und die Mama ein ganz lieber Engel.
Ich möchte Dir gern ein Geschenk machen.
Er holte aus seinem Rucksack einen Teddy heraus.
Der hatte keine Sachen an und war nicht gerade der sauberste, aber er schaute Maria so
erwartungsvoll und lieb an mit seinen hellbraunen Glasäuglein,
dass Marias Herzchen ganz toll an zu klopfen fing.
„Ich habe ihn auf einer Parkbank vorige Woche gefunden und er wäre schon erfroren wenn ich ihn
nicht mitgenommen hätte, und nun suche ich ein liebevolles zu Hause
für ihn und eine ganz liebe Puppenmutti die ihn pflegt und viel Wärme für sein ängstliches Herzchen
übrig hat. Ich dachte, du wärst die richtige Mutti für ihn.“
Maria war so überglücklich darüber dass sie dem Weihnachtsmann auf den Schoß kletterte und
ihm einen Kuss auf die Wange gab. „Ich will gern für diesen kleinen Kerl sorgen, dass
verspreche ich dir und meine Mama, das weiß ich ganz genau,
hat noch aufgezogene Wolle und strickt ihm gewiss Höschen und einen Pullover,
gelt Mama?“
„Gewiss mein Liebling, das werde ich tun, heute stecke ihn doch in dein warmes Federbett,
damit er nicht friert und morgen bekommt es gleich was warmes anzuziehen.“
„Danke liebe Mami und Danke lieber Weihnachtsmann!“
„Schon gut meine Kleine „ brummelte der alte Mann in seinen Bart.
© Anna-Maria Niehues